Weder Kylie, noch Mariah, Britney oder Janet haben in den letzten Monaten DAS ultimative Album abgeliefert. Das gilt jetzt ebenso für Madonna.
Die Einen sind orientierungslos, andere wiederholen sich ständig selber und die bisher so innovative Königin versucht, Bestes vom Erprobten zu bringen, aber es gelingt ihr nur begrenzt, teilweise überhaupt nicht oder sogar schlecht.
Faszinierend ist die Tatsache, dass Madonna nach >Confessions< wieder ein Dancealbum gemacht hat, welches aber unterschiedlicher nicht sein konnte. War das letzte doch Retro-Disco, so frage ich mich wie man diesen beat- und basslastigen Haufen hier bezeichnen soll? Zukunftsweisend ist es nicht, zumal das wirklich gute >Candy shop< bereits wie Britneys altes >I m a slave for you< klingt.
Erwähnenswert finde ich >She s not me< (eckig und kantig), inzwischen auch >Give it 2 me< (nutzt sich aber sehr schnell ab), >Dance 2night< (als wirklich grooviger Spätzünder im wohltuenden Mid-Tempo a la Justin) und das grandiose abschließende >Voices< das eigensinnig, leicht orientalisch, auch etwas ABBA-ish aus dem Rahmen fällt - total super, total überzeugend. Am Madonna-ish-ten klingt Madonna zwar bei >Miles away<, aber der Song zündet bei mir genauso wenig, wie >Heartbeat< oder das mega-hektische >Incredible<. Die größten Enttäuschungen sind für mich >4 Minutes< und >Spanish lesson< - Letzteres klang vom Titel einladend, aber beide rauschen wie ein Glas Wasser an einem vorbei, das eine überladen, das andere farblos und aufgesetzt - es kommt zu wenig rüber und das ist ungewohnt für Madonna.
Die Befürchtung, dass das gesamte Album nur nach Timbaland oder Pharell klingt, hat sich zum Glück nicht bestätigt, aber die Perlen muss man sich eben doch suchen, in einem Meer aus Beats, Eintönigkeit und schmerzfreien Songs mit deutlich weniger Wiedererkennungswert als man es von Madonna kennt. Es sind wirklich schöne Sequenzen dabei, aber die Cd klingt eher nach Überfallkommando, als nach poppig-süßem Hörgenuß ... und ständig dieser zerstörerische Bass! Ätzend!
Da ich fast alle Alben von Madonna habe, ihre Musik, Kreativität und Eigensinnigkeit sehr schätze, ist diese Rezension keine Art Hinrichtung - im Gegenteil. Bei ihren ständig wechselnden Richtungen war es nur eine Frage der Zeit, dass auch ich mal nicht 100% dabei bin. Das Album hat seine Hits, ganz bestimmt, und wird uns leicht und laut durch diesen Sommer tragen. Nur mir fehlt die Madonna-Magic, alles gleich noch einmal hören zu müssen und dann gleich noch mal. Das Album wirkt auf mich total farblos (trotz der Candy-Farben), aber vielleicht wächst der ein oder andere Song noch über sich hinaus, nach mehrfachen Hören und wenn nicht, ... irgendwer wird das schon so empfinden, vielleicht diesmal eher in den USA.
Ich persönlich ... vermisse Madonna und die Qualität in diesem Album. Für mich - so nicht ...
(Warum es der wunderschöne Song "Across the sky" nicht auf das Album geschafft hat, spricht Bände, bzw. auch gegen das Candy-Konzept. Er trägt fast mehr Charme und Madonna in sich, als das gesamte Album hier. Der japanische Bonustrack >Ring my bell< ist zumindest gänzlich für die Tonne. Wer trifft solche Fehlentscheidungen?).