Josh Radnor dürfte Einigen bekannt sein aus der Serie "How I met your Mother", wo er den liebenswerten Schussel Ted Mosby spielt. Weniger bekannt sein dürfte, dass Radnor sich mit "Happythankyoumoreplease" erstmalig als Regisseur versucht und in seinem ersten Langfilm auch gleich eine der Hauptrollen übernommen hat. Und was soll ich sagen, auch wenn ich kein allzu großer Fan von "How I met your Mother" bin und Josh Radnor sowohl in dieser Serie als auch in seinem ersten Film sehr ähnlich angelegte Charaktere spielt, ist "Happythankyoumoreplease" ein bezaubernder kleiner Film, der New York von seiner schönsten Seite zeigt und darüber hinaus typische Thirtysomethings, die Probleme haben, sich zu suchen oder zu finden. Das ist weder neu noch spektakulär, dafür aber herzig und komisch und somit genau das Richtige, wenn man mal wieder ein anständiges "Feel Good-Movie" sucht.
Annie (Malin Akerman", All Inclusive") hat eine seltene Krankheit, die sie komplett haarlos bleiben lässt. Nach einer chaotischen Beziehung mit Loser Ira (Peter Scanavino, "The Informers") und generellen Minderwertigkeitskomplexen ist sie vorsichtig geworden und mag somit den Avancen, die Kollege Sam (Tony Hale, "Der Informant") ihr macht, nicht nachgeben. Ihr bester Freund, der ebenfalls Sam (Josh Radnor) heißt, hat derweil eigene Probleme. Der Schriftsteller tritt irgendwie auf der Stelle und kommt über gelegentliche One-Night-Stands nicht hinaus, als sich sein Leben plötzlich grundlegend ändert. In der U-Bahn trifft er den 12jährigen Rasheen, der von seiner Pflegefamilie getrennt wurde. Da ihm vorerst nichts Besseres einfällt, nimmt Sam Rasheen erstmal mit zu sich nach Hause. Dann aber lernt er Mississippi (Kate Mara, "Shooter") kennen, die anders zu sein scheint als die Frauen, die Sam bisher kennengelernt hat. Und dann wären da noch Sams Cousine Mary Catherine (Zoe Kazan, "Zeiten des Aufruhrs"), die ihren Freund Charlie (Pablo Schreiber, "Vicky Cristina Barcelona") so innig liebt wie ihre Heimatstadt New York - was zum Problem werden könnte, da Charlie nach L.A. ziehen möchte. So, was wird nun aus Annie und Sam #2? Was wird aus Rasheen? Haben Sam und Mississippi eine Chance? Und wird Mary Catherine sich für Charlie und somit gegen New York entscheiden? Fragen über Fragen...
Josh Radnor ist ein sehr charmanter Film mit sehr viel "New York Spirit" gelungen, der einen oft schmunzeln oder lächeln lässt. Jeder seiner Protagonisten, ihn selbst eingeschlossen, hat so seine Probleme, Macken und Schwierigkeiten, im eigenen Leben richtig anzukommen oder sich souverän darin zurechtzufinden. Es ist ein typischer Film für die Mittdreißiger-Generation, die weitaus später bereit ist, erwachsen zu werden als die Generation vor ihr. Ganze Jahre werden vermeintlich damit verschwendet, sich selbst zu finden, tausend verschiedene Dinge auszuprobieren oder ja nie konkret Stellung beziehen zu müssen. Man lebt in den Tag hinein, ohne nachzudenken, oder denkt soviel, dass letztendlich auch nichts dabei herauskommt. Kleine Misserfolge werden zu wahren Dramen hochstilisiert, wirklich Wichtiges manchmal kaum wahrgenommen. Jeder ist so oft so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er den Blick für das "große Ganze" manchmal vollkommen verliert. Von all diesen Dingen und noch viel mehr erzählt Radnor in "Happythankyoumoreplease". Und das so leichtfüßig und bestimmt, dass man den Eindruck bekommt, er wüsste aus eigener Erfahrung, wovon in seinem Film die Rede ist.
Definitiv hat Radnor sich von seiner Rolle in "How I met your Mother" inspirieren lassen... was fast ein wenig schade ist, da sein Sam nur eine marginale Variation von Ted Mosby ist und man so sein darstellerisches Können kaum beurteilen kann (zumindest diejenigen, die die Serie kennen). Aber er spielt den herzigen Verwirrten, der oft mit sich und dem Leben überfordert ist, überzeugend und charmant, so dass man ihn einfach mögen muss. Auch seine Co-Darsteller überzeugen durch liebenswerte Schrulligkeiten, die so menschlich und nachvollziehbar sind, dass man sich wunderbar mit ihnen identifizieren kann. Radnor hat sich einen talentierten und noch unverbrauchten Cast zusammengesucht, der in der Lage ist, genau das auszudrücken, was Radnor anscheinend auf dem Herzen liegt. Garniert wird das Ganze durch Bilder eines herrlich sommerlichen New Yorks, das sich hier von seiner besten Seite zeigt.
Natürlich ist das alles manchmal recht beliebig und auch ein wenig konzeptlos inszeniert, da Radnor sich gern in charakterlichen Verästelungen seiner Protagonisten verliert, die für den Zuschauer belanglos sind. Und dennoch... irgendwie kann man sich dem Charme des Films nicht wirklich entziehen, auch wenn er nicht über seine ganze Länge von 100 Minuten überzeugt. Die Protagonisten sind liebenswert, die Cinematographie gefällt, der Soundtrack passt und die Probleme, mit denen die Charaktere hier herumhantieren, sind alltäglich und nachvollziehbar, so dass einem der Film ausreichend Identifikationsmöglichkeiten bietet.
Die Scheibe ist bedauerlicherweise sehr rudimentär ausgestattet, mehr als den Ton in deutsch und englisch in DD 5.1 und eine 8 Filme umfassende Trailershow wird leider nicht geboten.
Alles in allem ist "Happythankyoumoreplease" ein guter Film, der berührt, erheitert, nachdenklich stimmt und an den man seine Zeit nicht verschwendet. Über seine kleinen Unzulänglichkeiten sieht man daher gerne hinweg und kann Josh Radnor nur gratulieren zu so einem stimmigen Erstlingswerk, sowohl als Regisseur als auch als Drehbuchautor. Sein zweiter Film, "Liberal Arts", befindet sich noch in der Post-Produktion, wollen wir mal hoffen, dass er sich da ein bisschen mehr traut als hier und vielleicht mal eine ganz andere Geschichte erzählt als die von New Yorker Singles in den Dreißigern... denn davon gibt es ja (fast) schon genug - sowohl Geschichten als auch Singles. Für "Happythankyoumoreplease" gerne vier von fünf zufälligen Begegnungen, die manchmal alles auf den Kopf stellen können.