Warum ich mich im Lauf der letzten Jahre auf Shari Lows Bücher so eingeschossen habe, obwohl mir einige davon so richtig die Haare zu Berge stehen ließen, vermag ich nicht rational zu begründen. Diese Schriftstellerin stellt meine Geduld immer wieder auf die Probe mit ihren chaotischen und völlig überzogenen Weiber-Lebensgeschichten. Diesmal war ich begeistert von ihrem neuen Buch- und zwar so richtig!
Wer "Torschlusspanik" von Shari Low gelesen hat, wird Carly Cooper vielleicht schon kennen. Sie reiste unbeschwert und frohen Mutes - mit nichts als ihrer Kreditkarte im Handgepäck - um die Welt um aus all ihren Verflossenen den "Richtigen" zu küren.
In "Happy Ohne Ende" treffen wir Shari - ups, das ist ja die Autorin! - ähm, Carly wieder. Sie ist verheiratet mit Mark, einem Anwalt (im Lauf der Ehejahre zum ätzenden Langweiler mutiert), und hat zwei - zugegeben, zuckersüße! - kleine Söhne. Über ihre "Suche nach dem Richtigen" hat sie ein Buch mit dem sachlichen Titel "Achtung Brustwarzenerektion!" geschrieben (sie erreichte damit eine kaum nennenswerte Auflagenzahl) und nebenbei schreibt sie noch eine wöchentliche Kolumne für eine Zeitschrift. Ihr Alltag gestaltet sich hinwiederum alles andere als abwechslungsreich um nicht zu sagen: Situation total verfahren!! Kein Sex, nur Alltagstrott... (Na, liebe Damen, bimmelt's!?) ... alles andere als Brustwarzenerektion jedenfalls!
Da nimmt einer ihrer Ex-Freunde, der mittlerweile berühmte Schauspieler Sam Morton, Kontakt mit Carly auf um ihr mitzuteilen, dass sein Agent (so einer aus Hollywood, nicht einer vom FBI!) Carlys Buch gelesen hat und sich mit ihr über ein Drehbuch, zumindest die Verfilmung dieses Buches unterhalten möchte. Carly ist begeistert und wittert eine große Chance! Ohne viel oder gar lange, zu überlegen - sozusagen naiv und unbedacht wie eh und je - reist sie mit ihren beiden Söhnen nach Los Angeles. Mark, ihr Ehemann ist alles andere als begeistert. Er bleibt in Glasgow und "brummt" mit seiner Frau, für deren verrückte Aktionen er überhaupt kein Verständnis hat! Sam, ihr Ex-Freund, bei dem sie so lange wohnen kann, hat dafür umso mehr! Verständnis für die verrückte Carly ... einen Pool mit einem Springbrunnen drin. Eine Haushälterin - und sehr vieles, das Carly in ihrem alltagstrotteligen Leben vermisst!
Dass Hollywood allerdings nicht gerade auf Carly Cooper gewartet hat, wird schnell offensichtlich. Doch Carly ist bereit zu kämpfen..!
Die Autorin hat (Y-bechromosomte homo sapiens' möchten hier bitte nicht weiter lesen!) einfach eine schweinegeile bis unkonventionell-peinliche Art männliche "Leckerchen" zu beschreiben. Das ist aber glücklicherweise nicht alles, was den Reiz dieser Komödie ausmacht. Ganz nebenbei ist Carly Coopers Trip nach Hollywood einerseits aufregend ohne Ende, andererseits ist das Ende so unaufregend, wie man es von einer zuckerbunten Hollywood-Komödie erwarten würde und enttäuscht dennoch nicht die Bohne. Dazwischen macht man sich beim Lesen so allerhand Gedanken über das eigene Leben und - was man, bzw. Frau, so daraus macht.
"Happy Ohne Ende" liest sich erfrischend. Das ist nicht zuletzt der frechen und teilweise herrlich überzogenen Schreibe der Autorin zu verdanken. Angesichts des Lebenslaufs der Autorin ist es nahe liegend zu schlussfolgern, dass sie hier ein Stück Autobiographie verarbeitet hat. - Vielleicht sogar in der Hoffnung, dass entweder Torschlusspanik oder Happy ohne Ende verfilmt werden? Hollywood hat schon sehr viele um Längen dumm-trivialere Sujets verfilmt. Obwohl der Vergleich mit "Bridget Jones" etwas überstrapaziert klingt: Carly Cooper ist mir um einiges sympathischer als Bridget Jones. Ich freu mich auf ein Wiederlesen mit Shari Low und falls man dieses oder eines ihrer anderen Bücher verfilmt, bin ich auf jeden Fall dabei!