Ich hörte "Who Do You Love" (25 Min.) das erste Mal 1970 im SWF 3 - Pop Shop bei der Freitag-Mittag-Sendung der überlangen Titel und war begeistert von dem virtuosen Spiel der Band. Die beiden Gitarren von John Cippolina und Gary Duncan sind jede für sich und im Zusammenspiel einfach beeindruckend. Aber auch der Bassist David Freiberg und Drummer Greg Ellmore sind hier erstklassige Solisten. Die 25 Minuten sind für den Hörer voller Überraschungen und so unterhaltend, dass man sich nach dem Applaus des Fillmore-Publikums wundert, wo die Zeit geblieben ist. Hier gibt es kein Langeweile.
"When You Love" ist der Solo-Teil von Gary Duncan, der sein Gitarren-Spiel so spannend aufbaut, wie später John Cippolina. "Where You Love" der Suite ist ein Percussion-Part mit dem Feedback der Gitarren. "How You Love" ist das Solo von John Cippolina, der dies mit einer Intensität aufbaut, die ich nur ähnlich gut von dem Titel "The Fool" vom ersten Album
Quicksilver Messenger Service der Band her kannte. Cippolina war sicherlich ein hervorragender Gitarrist der späten 60er, der leider nie die Anerkennung bekam, wie viele seiner Musiker-Kollegen. "Which Do You Love" besteht aus einem klasse Solo von David Freiberg am Bass.
Auch die zweite Seite der damaligen LP war sehr gut, so z.B. "Mona", einer weiteren Bo Diddley-Nummer, mit tollem Gesang und verzerrten Gitarren.
Dieses Album halte ich - wie viele andere auch - insgesamt für eines der wenigen wirklich beeindruckenden Live-Dokumente der West-Coast-Music der späten 60er (natürlich auch
The Live Adventures of Mike Bloomfield & Al Kooper,
Live/Dead und
Bless Its Pointed Little Head). Dass die Band leider nicht den gleichen verdienten Erfolg hatte wie z.B. Jefferson Airplane und Grateful Dead lag vielleicht daran, dass sich die Besetzung änderte, was dann zu einem mehr kommerziellen Musikwechsel führte, der aber nicht mehr so interessant war wie auf "Happy Trails" und dem Debutalbum.
Aber bestimmt nicht umsonst wurde das Album erst kürzlich in die Top 500 (Rang 189) des "Rolling Stone" gewählt. Diese CD sollte man auf jeden Fall besitzen, wenn man die Musik dieser Zeit mag! Was allerdings noch heute fehlt, ist eine schöne Remaster-Auflage, die dieses Album auf jeden Fall verdient hätte!
Anmerkung 2010: Ein Remaster der CD gibt es jetzt auf dem BGO-Label
Happy Trails (Rem.), die vom Sound gut ist. Ob besser als diese Version, kann ich nicht beurteilen.