Das war so in etwa mein erster Eindruck des Buches und wie es der Umschlag schon verrät, ist es komplett anders als alles was man sonst so aus dem Genre kennt!
Es handelt von Amanda, die frisch zum Zombie wurde und zusammen mit ihren neuen Freunden - Zombie Wendy, Gay-Vamp Gil und Succubus Liesl- versucht sich zwischen Obdachlosen verspeisen, Camouflage Make-Up aus dem Leichenschauhaus, Hot!Hot!Hot! Undead-Clubbing und Manolos in ihr neues Leben einzufinden. Schrill, laut, unverschämt und lästernd zieht das Gespann durch Seattles "Unterwelt" bis Liesl plötzlich spurlos verschwindet...
Zugeben eins vorweg: das Buch ist nichts für empfindliche Gemüter, da es wie zuvor erwähnt, doch recht detailiert und vorallem kaltschnäuzig zur Sache geht, wenn Amanda mal wieder auf dem Rückgrat irgendeines armen Straßenjungen herumkaut... Zudem ist die oftmals etwas... ähh.. direkte Ausdruckweise bestimmt nicht jedermans Fall. Wem ein unter Freunden gemailtes "Where r u Bitch??" schon zuviel ist, rate ich definitiv vom Kauf ab.
Nichts desto trotz ist das Buch sehr witzig geschrieben, mit jeder Menge unüblichen Kommentaren in der Fußzeile, die Amandas Gedanken auf meist unzweifelhafte Weise auf den Punkt bringen und quasi mit dem Leser interagieren ("Hey, don't make that face. You've done it, too").
Entsprechend wird aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei die Handlung sehr schnelllebig ist und vieles kurz und knapp abgehandelt wird. Dabei hat man aber dank Amandas teils sehr phsychotischen Gedanken nie das Gefühl, dass einem dadurch wichtige Infos entgehen.
Weiterhin ist Amanda ein für dieses Genere sehr unüblicher Charakter. Als Kind missbraucht, mit keinerlei tiefgreifenden Bindungen zu irgendeinem Menschen und einem Sack voller psychischer Problemen bekommt man schnell das Gefühl, dass ihr Leben zuvor viel mehr ein Zombiedasein war, als jetzt wo sie tatsächlich untot ist. Ich weiß nicht was der Autor mit dem Buch eigentlich bezweckt (vielleicht liege ich total falsch und er wollte einfach nur schreiben =) ), aber für mich wirkt es wie eine groteske Parodie unsere eigenen Gesellschaft. Denn schnell wird klar: nur dank des 100% egozentrischen Verhaltens der "normalen" Leute und ihrer -um es mit Kant zu sagen- "selbstverschuldeten Unmündigkeit", ist es den Untoten möglich sich von denen zu ernähren, die absolut unendeckt und vorallem unvermisst, am Rande unserer Gesellschaft ihr Dasein fristen.
Fazit: Mark Henry hält IMHO unserer Gesellschaft auf eine so brutale Art und Weise einen Spiegel vor, dass mich mein erster Eindruck doch schon fast etwas beschämt und ich mich frage ob andere das genauso sehen oder ob sie sich von der oberflächlichen Chick-Lit Fassade täuschen lassen wie andere Rezensenten vor mir...
Kurze Info für Non-Natives:
Das Buch strotzt nur so vor US-Slang, Abkürzungen und Fachbegriffen aus dem Bereich Mode, Architektur, Kunstgeschichte und natürlich Anatomie ;) so dass es sprachlich sehr anspruchsvoll ist. Man sollte definitiv ein sehr breites US-Vokabular haben und/oder einige dutzend englische Bücher gelesen haben.