Ich finde es zwar sehr schade, aber irgendwo auch verständlich, dass dieser Film die Gemüter nicht nur sehr positiv sondern auch sehr negativ erhitzt. Verstehen kann ich es insofern als das es ja auch die Leute geben muss, auf die Poppy ja Einfluss nehmen will, also all diejenigen, die offenbar wie der Fahrschullehrer hinter allem das schlechte sehen und ihre Wut in die Welt hinaus schreien müssen. Diejenigen, die denken, ein Film muss sie von der ersten Minute zum lachen bringen und eine hyperaktive Frau wäre einfach nur nervig. Ja klar kann Poppy einem auf die Nerven gehen, wenn man seine eigene Einstellung nicht hinterfragt und nur die ersten 20 Minuten des Films sieht wie die Vielleserin laut ihrer Rezension. Als Leserin müsste sie eigentlich wissen, dass man einen guten Roman auch nicht nach 30 Seiten beurteilen kann. Wie vielschichtig dieser Film ist, zeigte ja erst der weitere Verlauf.
Gerade in der heutigen Welt voller Negativsmus tut Poppy richtig wohl, durchaus auch in dieser überspitzten Darstellung des Films, den ich übrigens gar nicht vordergründig als Komödie sehe und daher auch nicht ständig lachend vorm Fernseher saß, allerdings irgendwie mit einem dauerhaft wärmenden Gefühl im Magen und nem leichten Grinsen im Gesicht.
Genau so eine Grundschulleherin, die sich mit den Kindern beschäftigt, sei es spielerisch oder im Gespräch, würde ich mir für meine Kinder wünschen. Und das Poppy auch mal runterkommt und nicht dauerhaft auf Droge Optimismus ist, kam im Film ja auch klar rüber. Insofern mir ein Rätsel wie man diesen Charakter auch nur ansatzweise unsympathisch finden kann. Ihre Freude am Leben steckt an, ihr Mut nicht das normale Spießerleben zu führen, aber trotzdem diese Spießer nicht zu verdammen (wie es im Konflikt zwischen ihren beiden Schwestern zum Ausdruck kam), macht sie so sympathisch. Ihr Motto heißt, - leben und leben lassen - . Nur schade, dass offensichtlich viele Rezensenten anderer Meinung sind, und Poppys Optimismus und Freude als aufgesetzt betrachten, nur weil der Negativismus in unserer Gesellschaft normal geworden ist. Viele auch alternative Menschen scheinen die Fähigkeit kritisch zu denken, was Poppy ja durchaus auch tut, damit zu verwechseln an allem und jedem herum zu mäkeln. Diese Dinge nimmt der Film aufs Korn. Und das ohne die Polarisiserung wie sie hier scheinbar unter den Rezensenten vorherrscht. Auch der durchaus latente rassistische und chauvinistische Fahrlehrer wird ja letztlich als vielschichtiger Mensch dargestellt, der auch durch seine Hingezogenhenheit zu Poppy ja etwas wichtiges für den Film ausdrückt. Jeder sehnt sich nach Liebe, egal ob der Optimist oder der Pessimist. Die Frage ist nur, wer kommt besser durchs leben, ohne dabei beliebig und oberflächlich zu sein? Poppy hat den richtigen Weg gewählt. Mit 30 Jahren jede Menge erlebt, sie weiß worauf es im Leben ankommt und hat sicherlich vielen Menschen auch etwas geschenkt. Mir hat sie jedenfalls die Hoffnung darauf geschenkt, dass nicht nur noch negatives Denken in unseren Breitengraden vorherrscht. Ein toller Film mit einer sehr guten Sally Hawkins, die nicht umsonst den Silbernen Bären und den Golden Globe für diese Ausnahmeleistung bekommen hat.