Elf Jahre nach seinem ersten Solo-Album schafft es Ex-Stone Temple Pilots Sänger Scott Weiland noch einmal: "Happy in Galoshes" ist voll von Alternative-Pop-Perlen mit Ohrwurm-Qualitäten.
Scott Weiland ist eine gebrochene Seele. Schon immer stand der Stone Temple Pilots- und zwischenzeitliche Velvet Revolver-Sänger im Erziehungskur-Epizentrum mannigfacher Skandale und Skandälchen, schien und scheint dem Heroin-Hungertod stets nur knapp von der Schippe zu springen und verstand sich als missverstandener Künstler. Schon "12 Bar Blues", sein erstes Soloalbum vor elf Jahren, war ein kleines Meisterwerk, welches leider nie die Beachtung bekam, die es verdient hätte. Dabei war die Mischung aus Tom Waits'scher-Rumpeligkeit-Rhythmen, Keller-Vaudeville und vor allem auch Glam-Faszination schon ein hervorragender Einstand für Weiland als ernstzunehmenden Sänger, Songschreiber und Solokünstler. Dass die Zeiten als Velvet Revolver-Supergroup-Frontmann nicht seine Allerbesten waren, verdeutlicht "Happy In Galoshes" im nach hinein noch viel stärker, als man es schon bei deren unterirdischer zweiten Veröffentlichung "Libertad" vermutet hatte.
Aus dem Zwangskorsett der manisch wilden, rockenden Rampensau befreit, darf Weiland endlich wieder auf höchstem Niveau leiden und sich verzehren und dabei vorwiegend leisetretende Alternative-Pop-Perlen mit der ihm eigenen Song-Sensibilität zwischen dezenter Psychodelik, hymnischem Hedonismus und hervorragenden Ohrwurmqualitäten zur Nabelschau stellen. Songs wie das rockige "Missing Cleveland", das flockige "Blind Confusion" oder auch das fragil-flirrige "She Sold Her System" sind nur ein paar Beispiele für die Eleganz, mit der Weiland sich hier zur Inkarnations-Ikone aus Beatles und Bowie stilisiert. Letztgenannter war für Weiland ja schon immer erster Fixpunkt im Vorbildsystem und auch optisch orientiert sich Scott zurzeit zunehmend an der Erscheinung des Thin White Duke. Zwar hätte die Liebe und Bewunderung für das einzigartige Pop-Chamäleon nicht soweit gehen müssen, dass man gleich das unsäglich "Fame" von Bowies "Young Americans"-Album covert. Jedoch spricht die Tatsache, dass der Songs von Bowie zusammen mit John Lennon geschrieben wurde, wieder für obig erwähnte Referenzen in Weilands Song-Kanon. Und davon gibt es mit insgesamt 19 Songs nicht gerade wenig. Während die US-Version von "Happy In Galoshes" regulär als 12 Track Album erschienen ist, kommt man in Deutschland direkt in den Genuss der erweiterten Ausgabe, sprich eines Doppel-Albums. Dabei entspricht die erste Scheibe zum Gros dem Originalalbum, während die zweite Disc quasi das Bonusmaterial stellt. So eine Song-Fülle erschwert die Bewertung in der Regel zwar ein wenig und man hätte sich vielleicht eine klarere Prä-Selektion gewünscht. Jedoch finden sich auf beiden Exemplaren - zwar mit leichtem Überhang auf dem ersten - gleichsam essentielle wie schöne Songs zu Hauf, so dass Herr Weiland abgesehen von ein zwei, drei Stücken zusätzlich zu besagter Cover-Version eine atemberaubende Dichte an exzellentem Singer/Songwriter-Alternative-Pop-Rock vorlegt, die mehr als beachtlich ist. Relativ unspektakulär und mit einem Hauch von Heimstudio produziert, ist "Happy In Galoshes" der hörenswerte Beweis, dass dieser Mann gewiss zu den unterbewertetsten Künstlercharakteren und Songschreibern seiner Zunft und Zeit zählt. Zeit, das zu ändern.
Produktbeschreibungen
WEILAND, SCOTT HAPPY IN GALOSHES