Ein bunt geschmücktes Zimmer, die Family ist eingeladen und am großen Esszimmertisch versammelt, alle haben sie tolle Geschenke mitgebracht und in der Mitte, in der Mitte steht eine große Geburtstagstorte. Eigentlich klingt das nach einer gewöhnlichen Geburtstagsfeier, doch irgendetwas stimmt nicht. Schaut man sich genau um, dann bemerkt man, das auf der großen Torte gar keine Kerzen stecken, niemand der Anwesenden lacht und es herrscht eine Stimmung wie auf einer Beerdigung. Und alle starren sie auf den Stuhl des Geburtstagstisches am Ende des Tisches – der Platz ist leer.
So oder so ähnlich könnte man sich die Feier zu dem Geburtstag aus Flipsyde's neuer Single "Happy Birthday" vorstellen. Der Song von den Jungs aus Oakland/Kalifornien ist kein gewöhnlicher Geburtstagssong. Aus der Sicht eines Vaters wurde der Song für ein Kind geschrieben, welches das Licht dieser Erde nie erblicken durfte. Ein Kind, das nicht gewollt, das abgetrieben wurde - getötet und somit seinen eigenen Geburtstag nie erleben und feiern durfte.
Skurril, und doch ergreifend und traurig zugleich. Zu dieser Stimmung passt die besinnliche Piano-Melodie, die den Song einleitet und sich durch das gesamte Stück zieht. Wenige Sekunden später setzen ein ruhiger Beat und die ersten Raps ein. "Please accept my apologies, I wonder what would have been. Would you have been a little angel or an angel of sin?". Gefühle der Reue machen sich breit, wenn der Vater überlegt, wie sein Sohn hätte Aussehen können und welche Interessen er wohl gehabt hätte. "Choosing our life over your life meant your death." Egoistisches Denken tötete ein neues Leben, heutzutage kein seltener Fall mehr.
Nun sind einige Jahre vergangen und die Reue ist immer noch da, daher schreibt der Vater dieses Geburtstagslied für sein ungeborenes Kind, das starb, bevor sie überhaupt wussten, ob es ein Junge oder ein Mädchen werden würde. Im diesem zweiten Abschnitt der Geschichte geht es dann um die wirkliche Geburt des zweiten - eigentlich ja aber ersten - Kindes. Für den Erzähler stellt sich dabei die Frage, ob in dem Sohn eigentlich die Seele des ersten, abgetriebenen Kindes steckt und ob es den Eltern ihren Fehler jemals vergeben hat. Zwischen den gedankenvollen Zeilen der Strophen erscheint dann immer wieder der engelsgleiche Female-Refrain: "What I thought was a dream - Was as real as it seemed - I made a mistake". Schmerzvoll und gleichzeitig befreiend bietet er einen perfekten Kontrast zu der tiefen Rap-Voice von MC Piper in den Strophen. Die Melodie für diesen Refrain und auch die schönen Piano-Elemente haben sich Flipsyde übrigens in Absprache bei der russischen Erfolgs-Band t.A.T.u. geborgt. Der Track stammt von deren aktuellen Album "Dangerous And Moving", heißt dort jedoch "Gomenasai" und handelt inhaltlich von einem ganz anderem Thema.