Neue Zürcher Zeitung
Musik und Dichtung rur. «Literature goes music», zitiert Christian Bielefeldt in seiner umfangreichen Studie über die gemeinsamen Werke von Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann. «Music goes literature», möchte man festhalten hinsichtlich der Arbeitsprozesse der beiden fast gleichaltrigen Künstler in den fünfziger und sechziger Jahren. Sechs Partituren wurden es: die Ballettpantomime «Der Idiot», die Hörspielmusik «Die Zikaden», «Nachtstücke und Arien», die beiden Opern «Der Prinz von Homburg» und «Der junge Lord», schliesslich die Chorfantasie «Lieder von einer Insel». Beide haben sich, manchmal auch ohne Absprachen, mehrmals über das andere Medium geäussert. Keine(r) hätte sich die Kreativität ohne bestimmende Einflüsse des anderen Mediums vorstellen können. Die enorm aufwendige Arbeit streift auch tatsächliche oder bisher unbeachtete Bezüge zur Psychoanalyse, zu Studien Sebastian Leikerts, zu Jacques Lacan und zur «Frage der unterschiedlichen Referentialität beider Kunstmedien». Henzes literarische Tätigkeit unabhängig von seiner musikalischen Produktion war schon in den fünfziger Jahren bekannt. Interessant ist der Hinweis auf eine Äusserung Ingeborg Bachmanns 1973 der Filmautorin Gerda Haller gegenüber: Kompositionsversuche im Jugendalter habe sie später zugunsten des Schreibens aufgegeben, weil sie gewusst habe, «dass die Begabung nicht gross genug» sei.
Pressestimmen
"Arthur Schnitzlers Aphorismus 'Wir spielen immer, wer es weiss, ist klug' verweist auf die fliessenden Übergänge zwischen Kunst und Leben. Im Umgang von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze herrscht von Beginn an eine 'Intermedialität von Musik und Dichtung'. Was Christian Bielefeldt schon in diesem Untertitel seiner Studie 'Hans Werner Henze und Ingeborg Bachmann: Die gemeinsamen Werke' über das Thema seiner 'Beobachtungen' andeutet, belegt er im Kontext seiner vorbildlich gegliederten Ausführungen über eine Zusammenarbeit [...]." (Hansjörg Graf in Neue Zürcher Zeitung vom 8. Feb. 2005, S. 45)