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Mit seiner gewaltigen Oper
Palestrina, deren Libretto er selbst schrieb, widmete sich Hans Pfitzner am Beginn unseres Jahrhunderts einem der bewegendsten Ereignisse der abendländischen Musikgeschichte: Auf dem Konzil zu Trient im 16. Jahrhundert sollte die gesamte mehrstimmige Kirchenmusik verboten werden, weil diese aufgrund von lästerlichen Auswüchsen wie allzu weltlichen Melodien oder gar anrüchigen Texten, die teils verborgen, teils ganz ungeschminkt in die Kirchen Einzug gehalten hatten, hoffnungslos verdorben schien.
Die Legende berichtet, Kardinal Borromeo habe den berühmten Komponisten Palestrina ersucht, eine vorbildliche Messe, welche die liturgischen Texte in deutlichster Weise zu transportieren vermag, zu komponieren, um damit die mehrstimmige Kirchenmusik zu retten. Angeblich war es die Missa Papae Marcelli, die so entstand und tatsächlich den Papst zum Einlenken bewegen konnte.
1972 widmete sich Rafael Kubelik der Aufgabe, dieses Mammutwerk mit einem gewaltigen Staraufgebot für die Schallplatte zu produzieren. Als Palestrina gewann man den hervorragenden Nicolai Gedda, der die Rolle meisterhaft umzusetzen vermochte. Besonders bewegend ist die Szene, als ihm im Augenblick tiefster Verzweiflung und versiegter Schaffenskraft neun alte, längst verstorbene Meister der Tonkunst erscheinen, um ihm Mut zuzusprechen. Danach inspirieren ihn Engel zu den ersten Tönen der Missa Papae Marcelli; seine Schöpferkraft kehrt zurück, und er komponiert voll Begeisterung jenes Werk, ohne das Jahrhunderte abendländischer Musikgeschichte niemals stattgefunden hätten. --Michael Wersin