Ich habe das Spiel schon 1997 gespielt aber erst vor ein paar Monaten selber eines erstanden. Obwohl eine ziemliche Pause dazwischen lag, blieb es mir (zurecht) in guter Erinnerung. Das Spiel hat insgesamt keinen so hohen Bekanntheitsgrad und wir haben es erst mit wenigen Leuten gespielt.
Kurzbeschreibung:
Im Verlauf des Spiels versucht man möglichst viele Ländereien im alten Spanien mit seinen Spielsteinen zu besetzen. Wer in den Wertungsrunden dort jeweils die Übermacht hat, erhält die dort ausgewiesenen höchsten Punkte. Die möglichen Spielzüge pro Runde werden durch Aktionskarten vorgegeben: 5 Stapel, die oberste Karte jeweils sichtbar u. der fünfte Stapel besteht nur aus der Königskarte. Durch vom Spieler gewählte Machtkarten ändert sich die Reihenfolge beim Ziehen dieser Aktionskarten. Wer welche Karte - und insbesondere wann - wählt ist dabei sehr entscheidend für die Strategie.
Positiv:
Lange Aufbauarbeit ist nicht nötig.
Relativ schnell zu erlernen, auch wenn der Einstieg beim ersten Lesen an einigen Stellen nicht gleich klar ist. Dafür gibt es aber eine detaillierte Proberunde zum nachspielen (super Idee!) - danach ist alles klar. Außerdem wird jede einzelne Karte genau erklärt.
Da die Karten gezogen werden und dabei die Reihenfolge der Ziehenden variiert, ist jedes Spiel neu u. Monotonie kommt eigentlich nicht auf.
Glück ist nicht Spiel entscheidend (keine Würfel), sondern abgerechnet wird allein durch die eigene Strategie (zweimal im Spiel + einmal am Schluss, sowie durch mögliche Zwischenwertungen).
Durch das Beobachten der Mitspieler muss man hier wirklich vorausschauend u. intelligent Karten ziehen und Spielsteine setzen => das Spiel regt die kleinen grauen Zellen an. (Pädagogisch wertvoll.)
Auch zu zweit spielbar, zu dritt oder mehr aber deutlich interessanter und unberechenbarer.
Je häufiger man spielt, desto besser wird das Spiel.
Die Steine sind aus Holz, so dass man das Spiel auch im Garten spielen kann und die Steine nicht gleich bei jedem kleinen Windhauch auf nimmer wieder sehen verschwinden. Überhaupt macht das gesamte Spiel einen relativ robusten u. höherwertigen Eindruck.
Neutral:
Da jeder für sich spielt u. man nicht miteinander agiert, ist das Spiel ist ziemlich "leise" u. somit der Spaßfaktor gering -> zu lachen gibt es leider nichts. Eher im Gegenteil: da man durch seine Aktion anderen etwas verbaut, erlebt man oftmals eine Atmosphäre wie bei "Mensch ärgere Dich nicht".
Da die Punkteverteilung sehr stark vom Beobachten der Mitspieler abhängig ist (was hat der andere u. was muss ich demnach tun) verbringt man viel Zeit beim Grübeln über seine nächste Aktion. Das vorausschauende Spielen / Denken hebt die Altersgrenze der Spieler eher an. Für jüngere Kinder ist das Spiel daher nicht zu empfehlen.
Gleichfalls ist es dadurch vermutlich auch nicht sonderlich empfehlenswert das Spiel im müden oder angeheiterten Zustand zu spielen. ;-)
Negativ:
Obwohl es 9 Runden gibt, sind nur 11 Aktionskarten pro Stapel vorhanden. (Erweiterungskarten gibt es auch nicht.) Mehr Karten hätten mehr Auswahl bedeutet und auch mehr Abwechslung. Dadurch kennt man auch recht schnell alle Varianten.
Die Verpackung lässt zu wünschen übrig: In der Mitte befindet sich ein große Fläche ohne Einteilungsfächer. Dadurch werden aber die gesamten Karten stets wild durcheinander gewürfelt u. vor dem Spielbeginn beginnt erst einmal das große Sortieren!
Das Spiel zu zweit ist zwar möglich, aber doch relativ langweilig! Man muss nur einen Mitspieler beobachten u. wirklich kniffelige Situationen treten kaum auf, was den Spaßfaktor weiter dämpft.
Die Königskarte wird bei 5 Spielern zwangsläufig immer gezogen.
Nicht zu 6 spielbar.
Fazit:
Ein recht interessantes Spiel welches dann besser wird, wenn man erstmal die ganzen Variationsmöglichkeiten durchschaut hat. Danach ist es auch nicht unbedingt mehr so wichtig, welche Karte man zieht, sondern vielmehr, WANN man zum Zug kommt. Die beste Karte einer Runde ist witzlos, wenn ein späterer Spieler mit seinem Zug wieder alles zunichte machen kann. Und das passiert ziemlich oft, so dass sich die Atmosphäre mit "Mensch ärgere Dich nicht" geradezu aufdrängt.