Hans Fallada: Jeder stirbt für sich allein - Alone in Berlin: Every Man Dies Alone
Auch wenn Hans Fallada (1893-1947) von Kritikern bisweilen nur allzu gern als unbedeutender und im Morphiumrausch arbeitender Unterhaltungsschriftsteller hingestellt wird, schätze ich ihn persönlich dennoch sehr. Zahlreiche seiner Werke wurden, zum Teil sogar gleich mehrfach, wie auch der hier vorliegende Roman "Jeder stirbt für sich allein", verfilmt. In nur einem Monat schrieb Fallada 1947, aus der Nervenabteilung der Charité in Berlin heraus, in die er wegen seiner Alkohol- und Morphiumabhängigkeit eingewiesen worden war, diesen Roman. Es sollte zugleich auch eines seiner letzten Werke sein, denn nur drei Monate nach Fertigstellung des Romans verstarb Fallada.
Nichtsdestotrotz besticht Fallada mit der in seinem Roman behandelnden Thematik und der daraus resultierenden klaren und unmissverständlichen Aussage in der er die ganze Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus an den Pranger stellt und gleichwohl dessen bestialisches Antlitz entlarvt.
Ich hatte vor vielen Jahren schon einmal die ebenfalls großartige und von der DEFA bereits 1970 als Mehrteiler entstandene filmische Umsetzung zu dieser Vorlage von Fallada gesehen. Als ich davon erfuhr, dass durch das Label "Fernsehjuwelen" die Veröffentlichung der 1975 unter der Regie von Alfred Vohrer (1914-1986) entstandenen Verfilmung ansteht, war ich auf diese sehr gespannt. Und um es kurz zu machen, ich wurde nicht enttäuscht. War ich anfangs zugegeben, etwas skeptisch ob Alfred Vohrer, mit dem ich eher Edgar-Wallace oder auch Karl-May-Filme verbinde, bin ich inzwischen von seiner Regiearbeit, hier bei "Jeder stirbt für sich allein", begeistert.
Zusammen mit einer großartigen Darsteller-Crew und dem von Miodrag Cubelic und Anton Cerwik geschriebenen Drehbuch, entstand ein zugleich stark emotional geprägtes wie aber auch in die Tiefe gehendes filmisches Werk. Absolutes Highlight bei dieser Verfilmung ist für mich persönlich Hildegard Knef (1925-2002). Noch deutlich vom Kampf gegen den bei ihr ausgebrochenen Brustkrebs gezeichnet, stand sie, nachdem sie sich mehrere Jahre nur ihrer Gesangskarriere gewidmet hatte, nun nach mehr als acht Jahren, wieder zum ersten Mal vor einer Filmkamera. Sie spielt die von ihr in diesem Film verkörperte Rolle derart eindringlich und überzeugend, dass man ihr und ihrem Spiel regelrecht verfällt und die Augen nicht mehr vom Bildschirm wenden kann.
Der Film erzählt die Geschichte der beiden Eheleute "Anna" (Hildegard Knef) und "Otto Quangel" (Carl Raddatz 1912-2004). Sie sind ein eher stilles, bisweilen sogar spießig wirkendes Ehepaar, welches sich mit ihrem Alltag arrangiert hat und ihr Leben lebt. Inmitten eines sich immer mehr ausbreitenden Nationalsozialismus und eines erstarkenden Adolf Hitler interessieren die beiden weder die politische noch militärische Entwicklung um sie herum großartig.
Das ändert sich schlagartig, als ihr einzigster Sohn "Otti" (Alexander Radszun) in den letzten Tagen des Frankreich-Feldzugs fällt. Desillusioniert und voller Bitternis beginnt Mutter Anna heimlich regimekritische Postkarten zu schreiben und in der Stadt zu verteilen. Schon bald ist ihr und ihrem Mann, der zu seiner Frau steht und sie im weiteren Lauf der Geschichte mit unterstützt, die Gestapo auf den Fersen. Der Obergruppenführer der Gestapo "Prall" ist geradezu besessen davon, dem Verteiler und Schreiber der Postkarten habhaft zu werden. Als "Prall" erlebt man hier einen einfach nur einmalig und grandios aufspielenden Hans Korte, der mit seiner Darstellung des perfiden Nazis "Prall" die Nackenhaare zum stehen bringt und regelrecht Angstgefühle in einem aufsteigen lässt. Immer enger zieht sich die Schlinge um "Anna" und "Otto".
Neben den bereits erwähnten Darstellern bietet die hier zu erlebende Verfilmung noch zahlreiche weitere allesamt überzeugend agierend zu erlebende Mimen jener Tage. Namen wie die von Brigitte Mira, Heinz Reinecke, Rudolf Fernau oder auch Edith Heerdegen und Peter Matiæ, sind nur einige wenige derer, welche für den hohen Anspruch und das Niveau in der Besetzungsliste bei und für diesen Film stehen.
Das schlichte Amaray-Case, in dem die DVD der vorliegenden Veröffentlichung liegt, findet zur repräsentativen Aufbewahrung seinen Platz in einem bisherigen verlegten Titeln der Reihe der Fernsehjuwelen angepassten und wunderbar stimmig gestalteten Hochglanzschuber.
Mit einer laut veröffentlichendem Label angegebenen Gesamtlaufzeit von 102 Minuten für den Film kommt ein Bild im Seitenformat von 16:9 zur Ansicht. Dabei bin ich persönlich von der hier zu erlebenden Bildqualität angenehm überrascht. Man darf natürlich nicht vergessen, dass die für diesen Film gefertigten Aufnahmen vor inzwischen 36 Jahren (Stand 2011) entstanden sind. So betrachtet kann der Film mit den in ihrer Intensität wie auch Natürlichkeit sehr gut ausgeprägten Farben ganz klar für sich punkten. Der Kontrast wie auch die im Bild zu erlebende Schärfe zeigt sich über die gesamte Laufzeit in recht gut gesetzten Werten und Einstellungen und bietet kaum Grund zu Kritik. Unruhen, Bildrauschen oder Verschmutzungen und Beschädigungen fielen mir so gut wie gar nicht in dem hier von der vorliegenden DVD zu erlebenden Bild auf. Im Gesamteindruck kann die Bildqualität, der hier vorliegenden Veröffentlichung, als gut bewertet werden.
Neben den üblichen Trailern zu weiteren Veröffentlichungen aus dem Hause "Fernsehjuwelen", findet sich noch ein weiteres sehr gelungenes Extra mit auf der DVD. In diesem trifft Arild Rafalzik den damaligen Kameramann der Produktion, Herrn Heinz Hölscher, zu einem exklusiv für diese Veröffentlichung geführten Interview. Über ca.68 Minuten berichtet dieser über sein berufliches Wirken und Schaffen. Gelungen die Idee, im Menü für dieses Extra die Möglichkeit anzubieten, sich auch nur die Aussagen Herrn Hölschers, in Bezug zum auf der DVD befindlichen Film, direkt abzurufen.
Die DVD-Menüs sind in ihrer Gestaltung mit zum Teil animierten Filmszenen und den dazugehörenden Soundfiles sowie der Titelmusik zum Film, von Gerhard Heinz, erstellt. Sie sind dabei übersichtlich und gut bedienbar gehalten. Neben des direkten Filmstarts, nach Einlegen der DVD in den Player, wird noch eine sich in einem weiteren Fenster öffnen zu lassende Kapitelauswahl, dargestellt in Textform, zur Anwahl angeboten. Des weiteren werden noch Menüpunkte für die "Einstellungen" beim Ton sowie für das Interview im Bereich "Bonus" und die Trailershow über "Weitere Fernsehjuwelen" aufgezeigt.
Tonbewertung:
Der hier zu Gehör kommende Ton bietet nicht nur den deutschen zu erwartenden Ton, sondern zudem auch noch eine englische Fassung.
Beide sind im Format Dolby digital 2.0 vorliegend stets sehr gut verständlich. Die englische Sprachfassung beruht sicher auf der Tatsache, dass Hans Fallada in Großbritannien und den USA sehr geschätzt wird und dort immer mehr den Markt erobert. So wurden allein in Großbritannien bisher mehr als 300.000 und in den USA über 200.000 Exemplare von Falladas Buch "Jeder stirbt für sich allein" verkauft.
Leider finden sich auf dieser sonst wirklich sehr gelungenen Veröffentlichung keinerlei Untertitel.
Gesamteindruck:
Ich bin durchweg von diesem Film, der zugleich eine Mahnung wie auch ein Aufruf zur Menschlichkeit darstellt, begeistert. Hier stimmt einmal wirklich alles, angefangen von einer bewegenden und emotional erzählten Geschichte, in einer überaus gelungenen Umsetzung der Romanvorlage durch den Regisseur, bis hin zu den allesamt grandios aufspielenden Darstellern. Wer Hans Fallada mag, wird diesen Film lieben. Top Empfehlung für diese Veröffentlichung aus dem Hause "Fernsehjuwelen".