Außen hui - innen ... bestenfalls naja.
Nachdem ich für meinen Sohn im Vorjahr "Eine Weihnachtsgeschichte" aus dieser Buchserie als Adventlektüre ausgewählt habe, und wir mit diesem Buch viele stimmungsvolle Stunden verbracht haben, fiel die Wahl heuer auf "Hans Christian Andersens Winter- und Weihnachtsmärchen". - Womit wir schon beim großen Irrtum sind, denn wer sich hier Hans Christian Andersen erwartet, wird wohl bitter enttäuscht sein: Von der wunderbaren, bildhaften Sprache des dänischen Märchenfürsten, und der damit verbundenen Atmosphäre, ist hier absolut nichts übrig geblieben. Vielmehr handelt es sich um nahezu sinnentstellende, gekürzte Nachdichtungen, die mit den Originalen wohl kaum mehr als die oberflächlichsten Handlungszüge gemeinsam haben. Bedauerlicher Weise findet sich weder in der Produktbeschreibung noch im Buch selbst ein Hinweis darauf, dass es sich hier nicht im Entferntesten um die Originaltexte handelt. (Daher natürlich auch keinerlei Nennung, wer für die Verstümmelungen verantwortlich zeichnet - eine weitere grobe verlegerische Nachlässigkeit.)
Schwer enttäuscht haben uns auch die Illustrationen: Während Ute Simon den Dickens-Band mit Gefühl begleitet, gerät auch hier atmosphärisch einiges Durcheinander: Die Figuren verkommen allesamt zu nichtssagenden Zwergen-Karikaturen mit roten Pausbacken und Knollnasen - was ganz besonders beim "Mädchen mit den Schwefelhölzern" nicht nur unpassend, sondern nahezu verletzend wirkt, und der schon im Text bis zur Unkenntlichkeit verrissenen Geschichte eine weitere unangenehme Facette verleiht.
Facit: Leider hält der Inhalt nicht, was die wirklich prächtige und aufwändige Einbandgestaltung verspricht. Ein äußerlich sehr ansprechendes Buch mit angenehmem Format, tollen Material-Effekten(Samtprägung, Lesebändchen, hervorragende Papierqualiät etc.), schönster Verarbeitung - nur eben leider bestenfalls "nach" Hans Christian Andersen, keinesfalls "von" und schon garnicht "mit" ihm.