Ich hoffte auf eine neue Interpretation des Kinomythos Albers. Von einem jüngeren Autor. Einem, der heutigen Generation, der die Filme des blonden Hans aus gegenwärtiger Sicht zu beurteilen versuchte. Der Jahrgang 36, dem Herr Wegner entspringt, hätte mich warnen müssen. Aber von dem wusste ich nichts, bevor ich das Buch erwarb.
"HANS ALBERS" von Matthias Wegner ist ein schönes Buch, was die Aufmachung und den perfekten Druck der Fotos angeht. Doch nur nach kurzer Lektüre stellt sich heraus, dass der Verfasser des Buches weder von Albers, dem Schauspieler, noch von Albers, dem Star, noch von Albers, dem Chansonnier ( in deutsch : Stimmungssänger ) irgendeine Ahnung hat. Man fragt sich beim Querlesen, wen der Herr Wegner da eigentlich beschreibt. Einen Leinwandmythos, zumal einen urdeutschen? Eine zeitgeschichtliche Person? Einen Opportunisten des Dritten Reiches? Oder jemanden, der in seinem Beruf den gleichen Weg wie Thomas Mann gewählt hat? Antwort : Der Herr Wegner beschreibt den Lebensgefährten von Hansi Burg!
Eines der Schlaglichter dieser herben Monographie ist der Umstand, dass der Herr Wegner den Karrierehöhepunkt von Hans Albers im Jahre 1932 einordnet. Neunzehnhundertzweiunddreißig! Da klafft nicht nur der Mund verständnislos auf. Aufgrund der Lektüre glaube ich fast, es ist dem Herrn Wegner unangenehm, dass sogar "F.P. 1 ANTWORTET NICHT" noch irgendwie zum Gipfel von Albers Ruhm gehört. Die Streifen, die zwischen 1933 und 1944 mit Otto-Otto Premiere haben, sind in diesem Zenit jedenfalls nicht mehr zu finden. Und das sind immerhin neunzehn UFA-Streifen. Die meisten von Dr. Goebbels abgesegnet.
Denn genau darum geht es in der Einstufung bei Albers Laufbahn, die Matthias Wegner mit wenig Sachkenntnis vornimmt. 1933 haben die Nazis die Macht ergriffen und mit ihren Untaten der Unmenschlichkeit zu neuen Minus-Rekorden verholfen. In ihrer Ägide hat der Schauspieler, Kassenmagnet und Publikumsliebling Hans Albers den Olymp erreicht ( in Wirklichkeit, nicht für Matthias Wegner ). Herr Wegner akzeptiert in einigen Nebensätzen "DER MANN, DER SHERLOCK HOLMES WAR". "MÜNCHHAUSEN" kommt, knapp und wenig prägnant, zur Rede. "GROSSE FREIHEIT NR. 7 wird als ein Ausnahmewerk dargestellt. Aber ansonsten? Propaganda und seichte Unterhaltung! Deutet Herr Wegner an.
Was ist mit "EIN GEWISSER HERR GRAN", "GOLD", "UNTER HEIßEM HIMMEL", "DIE GELBE FLAGGE", "EIN MANN AUF ABWEGEN", "TRENCK, DER PANDUR"? Und was ist mit "WASSER FÜR CANITOGA", dem vielleicht besten Albers-Kintoppstück überhaupt? Weiß der Herr Wegner denn eigentlich, über wen er da schreibt?
Dass Hansi Burg eine wichtige Persönlichkeit im Leben Hans Albers gewesen ist, ist unbestritten. Doch zeitweise erweckt Wegners Text den Anschein, sie sei der Dreh- und Angelpunkt seiner Karriere gewesen ( obwohl die doch schon angeblich 1932 in ihrer Bedeutung nachließ ). Da hat wohl jemand seine neu erschlossenen Quellen ein wenig überbewertet, sie auf Kosten der Hauptfigur des eigenen Buches ungebührlich ausgeschlachtet.
Schlimm ist auch die Einordnung von Albers Leistungen in den fünfziger Jahren. Eine Schmonzette wie "DER LETZTE MANN" einem altmodischen, prätentiösen aber beeindruckenden Werk wie "VOR SONNENUNTERGANG" gleichzusetzen, zeugt schon von immenser Unkenntnis. Wie kann auch jemand, der die dreißiger und vierziger Jahre in Hans Albers Filmvita nicht zu würdigen vermag, die fünfziger beurteilen. Wegner beschreibt eine vage Hamburgische Persönlichkeit. Nicht den größten Filmstar Deutschlands. Von alles Publikationen über den blonden Hans ist diese bisher die inkompetenteste!