"Hannibal Rising - Wie alles begann" erzählt die Geschichte des jungen Hannibal Lecter. Die Entstehungsgeschichte eines Menschen, der zur fiktiven Serienmörder-Figur schlechthin avancierte. Natürlich könnte man dem Autor der schriftlichen Vorlagen Thomas Harris nun vorwerfen, die Kuh noch einmal gemolken zu haben, bevor die Legende und gleichzeitig Kultfigur Lecter ausgereizt ist. Man muss aber trotzdem zugeben, dass es sich hierbei um keinen 08/15-Plot handelt, der gerade mal so am Reisbrett zusammengeschustert wurde.
Harris ist in der Lage dem Publikum auf authentische Weise zu zeigen, warum Lecter zu diesem Monster geworden ist, das Menschen umbringt um sie dann zu verspeisen: In seiner Kindheit muss der junge Hannibal miterleben, wie Nazi-Sympathisanten seine kleine Schwester bei lebendigem Leibe verspeisen. Da er auch seine Eltern verliert, ist er gezwungen als Vollwaise aufzuwachsen, der langsam aber sicher, gezeichnet durch die schrecklichen Erlebnisse in seiner Kindheit, zu einem gefühlskalten und emotionslosen Erwachsenen wird. Und dieser "erwachsene" Hannibal Lecter hat sich eines geschworen: Er will die Mörder seiner kleinen Schwester zur Strecke bringen, koste es was es wolle!
Gesagt, getan. Lecter's Rachefeldzug nimmt also seinen Lauf! "Hannibal Rising" ist sicherlich kein Horror-Film im engeren Sinne, sondern vielmehr ein Psycho-Thriller, der zwischendurch seinen Fokus auf wirklich knallharte und gleichzeitig auch eklige Szenen setzt. Der Hauptdarsteller kann wirklich überzeugen in der Rolle des verrückten Serienmörders, kann aber Anthony Hopkins natürlich an keiner Stelle das Wasser reichen. Trotzdem hätte man wahrscheinlich keinen besseren Akteur für die Rolle finden können, obwohl man beim jungen Lecter keine Chance bekommt ein wenig Sympathie aufzubauen!
Die Handlung wirkt gut durchgedacht, obwohl Harris von den Zuständen in der Kriegszeit wohl wenig Ahnung hatte. Zwischendurch wirkt der Plot ein wenig unschlüssig, da für Lecter einfach alles zu reibungslos über die Bühne geht. Er kann ausreisen, wann und wohin er will! Er steht unter Mordverdacht und kann trotzdem tun und lassen, was ihm gerade im Sinn steht!
Aber gut, wenn man von diesen kleinen Pagatell-Fehlern in Sachen Logik absieht, bleibt ein unterhaltsamer Thriller übrig, der sich passend in die Hannibal-Reihe einfügt! Der Film kann vor allem durch tolle Schauplätze und überzeugende Kameraführung punkten! 4 Sterne für "Hannibal Rising"...