Die hilfreichsten Kundenrezensionen
33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Porträt des Monsters als junger Mann, 1. Januar 2007
Die meisten Leser sind von dem vierten Roman um Hannibal Lecter enttäuscht, weil wir es hier nicht wie in Schweigen der Lämmer oder Roter Drache mit einem psychologischen Thriller zu tun haben, sondern mit Literatur, die einen charismatischen Killer zum Inhalt hat. Dies war schon bei Hannibal so, dem dritten Roman, der beinahe ein Märchen war, und auch dort ist es mißverstanden worden. Thomas Harris hat die literarische Form gewechselt und damit bei seinen Lesern für Irritationen gesorgt. Hannibal Lecter ist ein kultivierter Barbar, und in Hannibal Rising wird vor dem Hintergrund der Barbarei an der russischen Front und der japanischen Kultur beschrieben, wie er wurde, was er ist. Thomas Harris liefert allerdings kein klinisches Psychogramm, sondern schildert als neutraler Beobachter Hannibals Verhalten und Werdegang. Er erklärt nicht, was nicht erklärt werden kann. Dem Leser geht es dabei wie Lady Murasaki: Sie liebt Hannibal, aber sie kann ihn nicht finden. An Action, Blut und spritzendem Hirn wird dabei nicht gespart, und so ist zu vermuten, daß die Verfilmung des Romans, die im Februar in die Kinos kommt, mehr Anhänger finden wird als das Buch. Wer sich aber auf das Buch einlässt und in ihm weniger den Nervenkitzel sucht als gute Literatur, der wird auf seine Kosten kommen. Thomas Harris hat sich zu einem Stilisten entwickelt, den zu lesen ein Genuß ist. Hannibal Rising ist von ebenso großer Poesie wie Brutalität, und wenn Quentin Tarantino Bücher schreiben würde, dann wären sie wie dieses. Die schöne deutsche Übersetzung von Sepp Leeb liest sich flüssig und angenehm, und ich bin nur einmal gestolpert, als es um Bremsklappen an einer Jacke ging. Literarische Qualität ist selten geworden im Massenmedium der Unterhaltungsliteratur. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen.
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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Aus Hannibal Lecter wurde Hannibal the Kannibal, 13. Juli 2007
"Hannibal starb als Junge 1945 da draußen im Schnee bei dem Versuch, seine Schwester zu retten. Sein Herz ist mit Micha gestorben. Sie wollen wissen, was er jetzt ist? Ich würde sagen, dafür gibt es kein Wort. In Ermangelung einer besseren Bezeichnung werden wir ihn ein Monster nennen." so der französische Polizist Inspector Popil.(Seite 305. Nichts beschreibt besser den Inhalt des Buches als dieser kleine Absatz. Hannibal Lecter und seine Familie (etwas unlogisch; litauische Adlige werden von den Sowjets geduldet) erleiden im letzten Kriegswinter Tod und Vernichtung. Bei einem Kampf zwischen einem dt. Stuka und einem russ. T-34 explodieren beide Kampfmaschinen und löschen das Geschlecht der Lecters fast aus. Bis auf Hannibal und Micha. Kurz darauf bemächtigt sich eine Gruppe aus Marodeuren und Kriegsverbrechern der Kinder. Sie ermorden Hannibals Schwester und verspeisen sie. Hannibal überlebt schwer traumatisiert. Sein Onkel holt ihn nach Frankreich und als Hannibal 18 Jahre alt ist, begibt er sich auf seinen Rachfeldzug, der ihn vom Menschen zum Monster mutieren läßt. Das Buch ist lesenswert, wenn es auch an die Klasse der Vorgänger nicht heranreicht. Es klärt die Jugend Hannibal und klärt uns über das "Warum" auf. Dabei beschreitet Thomas Harris jedoch einen vorhersehbaren Weg. Insgesamt noch drei Sterne.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Leider ein fader Abschluss ..., 5. August 2008
... für die grandiose Hannibal-Trilogie. Die Grundidee hinter der Entwicklung ist sehr interessant und ließ mich am Anfang auch sehr hoffen. Das Buch habe ich in 1 1/2 Tagen verschlungen. Leider ist die handwerkliche Umsetzung sehr schlecht. Hierbei haben Verlag und Lektorat viel mitverschuldet, denn die Fehler und Unsauberkeiten hätten auffallen müssen. Es beginnt mit den Kriegserlebnissen die militär-/historisch sehr unsauber sind: - Baltische Freiwillige, die von SS ungern aufgenommen wurden - einzelne T34-Panzer, die im Niemandsland umherirren - einzelne Stuka-Bomber, die 1945 ohne Gefahr sowjetische Panzer angreifen können (es gab keine deutsche Lufthoheit bzw. funktionierende Luftwaffe mehr 1945 im Baltikum) - 1946: ein mehr oder weniger funktionierendes Waisenhaus unter Sowjetherrschaft - 1946: dass ein französischer Wagen mit einem verhassten kapitalistischen, baltischen, adligen Künstler, der mit DDR-Wimpeln!!! behängt (die wurde erst 1949 gegründet) vorfährt und ein Waisenkind aus der Sowjetunion holt, ist mehr als an den Haaren herbeigezogen So zieht es sich über die französische Nachkriegs-Landschaftsidylle bis zu den Schwierigkeiten und Wiedersprüchen (siehe Popil) der Entnazifizierung hin. Die Ideen sind grundsätzlich gut, aber zu schnell und einfach skizziert. Das Buch hätte gut und gern 700 Seiten haben können und die Geschichte wäre sicher der literarische Harris-Hammer geworden. Aber es drängt sich einem vielmehr der Eindruck auf, dass der Autor vertraglich gebunden, mehr oder weniger lustlos das ganze zu einem schnellen Ende bringen wollte. Schade.
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