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FBI-Agentin Clarice Starling (Julianne Moore, die die Rolle von Jodie Foster übernommen hat) dagegen ist es weniger gut ergangen. Sie war schon immer eine Außenseiterin, und nun ist sie die stille, launische Einzelgängerin, die die bürokratischen Spielchen nicht mitmacht und deshalb leiden muss. Eine vermasselte Drogenrazzia führt zu ihrer Zurückstufung -- und zu der Bitte von Lecters einzigem überlebendem Opfer, Mason Verger (Gary Oldman), um eine kleine Fragestunde. Clarice ahnt nicht, dass der grauenhaft entstellte Verger -- dem Lector unterstellt, er habe sich sein Gesicht selbst heruntergerissen -- sie als Köder benutzt, um Dr. Lecter aus seinem Versteck zu locken. Er ist zuversichtlich, dass er den guten Onkel Doktor diesmal schnappen wird.
Hannibal verwendet die grundlegende Handlungskonstruktion von Thomas Harris' barockem Roman und ist stilistisch derart anders als sein Vorgänger, dass man gezwungen ist, ihn für sich allein zu bewerten. Regisseur Ridley Scott gab dem Film ein elegantes, geradezu europäisches Aussehen, das von Anfang an klar macht, dass sich hier -- im Gegensatz zum ersten Film -- alles um Hannibal dreht.
Funktioniert es aber auch? Gewiss -- aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Geschickt baut Scott eine Atmosphäre der Vorahnung auf, aber es ist alles nur ein Aufbau zum Antiklimax, da Vergers Plan zur Ergreifung Hannibals (um ihn dann an menschenfressende Wildschweine zu verfüttern) letztendlich nicht zum erforderlichen blutigen Nervenkitzel führt. Und der marktschreierisch angekündigte Höhepunkt, die Abendessensequenz mit Clarice, Dr. Lecter und einem dritten unglücklichen Gast, wechselt ständig zwischen Parodie und Horror.
Hopkins und Moore sind ohne Zweifel beide erstklassig, aber die Handlung ist so konstruiert, dass sie so weit wie nur möglich auseinander gehalten werden -- wo doch im Schweigen der Lämmer gerade ihre Interaktion so faszinierte. Wenn sie denn mal zusammentreffen, sind diese leider nur wenigen und einfach zu späten Begegnungen dennoch recht spannend. --Mark Englehart
Diese Auffassung hat sich kurioserweise noch verstärkt, nachdem ich nun auch den Vorgänger gesehen habe. Sehr durch "Hannibal" geprägt, erwartete ich etwas blauäugig zumindest ähnlich gelagerte Schwerpunkte- was sich natürlich nicht erfüllte. Ich vermisste diesen Hauch Kultur und auch einen Hannibal Lecter, der über einen größeren Bewegungsradius verfügt.
Aber um sich konkret "Hannibal" zu widmen- mich hat selten ein Film so fasziniert, und zwar durch das Zusammenspiel aller Faktoren. Da ist zunächst der Schauplatz; ich selbst war schon einmal in Florenz und war von dem romantischen, melancholischen Flair des Kerns der Stadt mit Palazzo Vecchio, dem Fluss Arno und den engen Gassen fasziniert. Diese Faszination versteht der Regisseur großartig aufzugreifen und visuell zu nutzen, um den Aspekt der Ästhetik und Würde Lecters aufzuzeigen und seine tiefangelegte Persönlichkeit perfekt zur Geltung zu bringen.
Die erste Clarice-Starling- Sequenz (die Szenerie auf dem Fischmarkt) bildet dazu einen wunderbaren Kontrast, der ebenfalls grandios den harten Alltag der FBI- Agentin dokumentiert. Gerade durch diese objektive räumliche Trennung und die- im Kontrast dazu- geistige Nähe wird eine wundervoll harmonische Spannung aufgebaut, die sanft fortgeführt wird.
Hier komme ich zu den beiden Hauptdarstellern, wo meiner Laienmeinung nach Julianne Moore ihre dominante Vorgängerin Jodie Foster sogar übertrifft. Sie umgibt ein Hauch etablierter Kälte, gepaart mit der fühlbaren Erkenntnis, das etwas in ihrem Leben fehlt - und zwar die Konfrontation mit ihrem Intimfeind Lecter. Moores Gestik und Mimik wirken durchweg seriös und geben dem Film die weitreichende Ruhe und den Fluss, von dem er zehrt.
Anthony Hopkins wiederum geht geradezu in der Rolle des kultivierten Monsters auf- er weckt Sympathie, aber kein Mitgefühl, wirkt in (fast) jeder Situation überlegen und bildet so eine Souveränität aus, die für seine Präsenz und die Atmosphäre des Filmes extrem wichtig ist.
Ein weiterer Höhepunkt des Filmes ist der Zusammenschnitt von Bildern und Musik, die die Eindringlichkeit der Szenen geradezu verblüffend intensiviert. Zum einen ragt hier das Opernstück heraus, an dessen Genuss das Ehepaar Pazzi und Lecter in Florenz teilnehmen- welcher Horrorfilm hat sich jemals auf so ein hohes Niveau begeben? Zum anderen war ich von der Wirkung des Zusammenspiels von Musik und Handlung begeistert, als aus der Vogelperspektive gegen Ende des Filmes die Kolonne der im Dunkeln nahenden Polizeifahrzeuge gezeigt wird. Hierbei ertönt nicht, wie man vielleicht erwarten würde, wildes Motorengeräusch oder Hammermusik, welche Hektik und Dramatik in die Handlung brächten, sondern eine ganz sanfte, ruhige und beinah verträumt-resignierte Melodie. Geradezu genial!
Dies sind nur wenige Details aus diesem Film, der mich einfach in seiner ganzen Breite überzeugt hat. Natürlich kommt man nicht umhin, fernab der Handlung, deren Reiz noch etwas mehr herausgearbeitet werden könnte, über die Gewaltszenen zu diskutieren. Zwei dominieren hier die Erinnerung an "Hannibal"- eine, deren Brutalität man zum Teil sieht, zum Teil erahnen muss- da wollte man dem empfindsamen Publikum wohl nicht zuviel zumuten, da der Ausbruch relativ unvermutet und schockierend in die Handlung integriert ist.
Die zweite Szene ist gegen Ende des Filmes platziert und auch meiner Meinung nach an makabrem Humor, gefrierender Grausamkeit und beiläufiger Menschenverachtung kaum zu überbieten- eine der mutigsten und intensivsten Szenen der Filmgeschichte (natürlich nur soweit diese mir bekannt ist). Ebenso wie diese, die ich hier nicht näher beschreiben kann, ist auch das Ende des Filmes originell und nicht platt- ein würdiger Abschluss des skurrilen Finales. Zwar auch ein wenig unglaubwürdig in der Machart, aber das sollte nicht weiter stören.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich selten ein Film so in seinen Bann ziehen konnte, schon garnicht einer aus demselben Genre. Aber "Hannibal" ist einfach anders, was wohl in erster Linie Ridley Scott zu verdanken ist, der wirklich jede Szene zu einem stilistischen Meisterwerk geformt hat. Also: UNBEDINGT ansehen, um sich einen- wenn auch etwas widerlichen- Genuss zu gönnen, der sicher länger im Gedächtnis bleibt.
Oft wurde das umstrittene Sequel *Hannibal* hart beurteilt. "Sinnlose Gewaltdarstellung", "Kein Vergleich mit dem Vorgänger möglich", "Eine Schande für Das Schweigen der Lämmer" oder "Hätten die Lämmer nur für immer geschwiegen" waren die Kritiken. Auch dadurch, das Jodie Foster nicht die Rolle der Clarice spielte, stellte den Film schon im Vorfeld in ein schlechtes Licht. Das der Film 2000 für 3 Oscars nominiert war (bester Filmkuss: Moore/Hopkins, bester Film, bester Nebendarsteller: Ray Liotta) ging da total unter.
Es ist echt peinlich wie unsere Bevölkerung auf Filme wie Hannibal reagiert. Der Film bietet nicht sinnlose Gewalt, sondern die ist richtig eingesetzt. Sie zeigt schließlich nur, was für ein menschliches Monster Dr. Lecter ist. Natürlich nicht vergleichbar mit Schweigen..., aber als eigenständiges Werk betrachtet einfach großartig. Der Film ist eigentlich nur wegen den letzten 15 Minuten FSK18, da es da wirklich hart zugeht. Doch auch da erreicht der Film seine schockierende Wirkung. Auch Julianne Moore überzeugt, wie es ihrerzeit Jodie Foster getan hat. Mir wäre es ja auch lieber gewesen, sie hätte hier mitgespielt, aber da diese absagte war Moore eben die zweitbeste Besetzung. Ausserdem beschwerten sich viele wegen den langen Pausen im Film. Aber genau diese Pausen waren doch wichtig zwischen den einzelnen Passagen um zu entspannen. Mag sein, das der Film manchmal langatmig wirkt, aber diese Langatmigkeit bringt diesen Film erst richtig zur Geltung.
Hannibal ist ein leider missverstander Film, aber für jeden, der leise Horrorfilme wie *Der Musterschüler* oder *Im Auftrag des Teufel* mag ein muss. Also mein Tipp an euch: Lasst den Film einfach auf euch wirken und vergleicht ihn BITTE BITTE nicht immer mit dem Schweigen der Lämmer.
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