Von diesem Film habe ich viel positives gehört und ihn daher für meine Tochter gekauft. Für sie war er ganz o.k.
Einige Szenen im Film waren wirklich sehr nett gemacht und es gab einiges zu lachen. Trotzdem verstehe ich nicht, warum ein moderner Film immer auch rücksichtsloses Verhalten zeigen muß, das keinerlei Konsequenzen zeitigt. Ist ja ganz witzig, wie Hanni (oder Nanni?) am Anfang mit Hockeyschläger durch die Innenstadt fegt. Das ganze hört spätestens dann auf, lustig zu sein, als sie in ein Kaufhaus reinspielt und dort ihren Zielpunkt hat. Nicht ohne Grund tragen die Hockeyschlägerinnnen Mundschutz. Die Passanten bzw. auf noch engerem Raum die Kunden des Kaufhauses haben diesesn nicht und rechnen auch gar nicht damit, daß ein unvorsichtiger Schlag sie verletzen könnte. Ach ja, ich vergass, die Mädchen sind ja so perfekt, daß sowas ja überhaupt nicht vorkommen kann....nun, ich finde das Verhalten nicht frech, sondern einfach rücksichtslos. Über die Gefahren für das Mädchen, wenn sie quer über die Straße rennt, ganz zu schweigen.
Noch besser wird es, als es zum Diebstahl kommt. Die Zwillinge werden von der Schule gewiesen (seit wann hat ein Schuldirektor ein ähnlich schickes postmodernes Büro wie DAX-notierte Unternehmen? Sehr unglaubwürdig!) und kommen aufs Internat, wo sie natürlich - Diebstahl hin oder her - problemlos aufgenommen werden. Es fällt weder dem Kaufhaus noch den Eltern und schon gar nicht dem Kaufhausdetektiv ein, die Anklage mal per Videoaufnahmen zu überprüfen.
Als schließlich die Eltern auf den Trichter kommen, daß das ganze aufgezeichnet sein könnte, wird die wirklich Schuldige ermittelt. Punkt. Keine weiteren Konsequenzen. Sie fliegt nicht von der Schule, es scheint nicht mal eine Anklage zu geben. Auch wenn ihr Vater Rechtsanwalt ist, finde ich das schon sehr seltsam.
Die Charaktere der Mädchen im Internat sind recht einseitig gezeichnet. Die ganze Geschichte ist nicht sehr glaubwürdig und eine Internatsvorsteherin, die sich überhaupt nicht für die Finanzen interessiert und auch keinerlei Einfallsreichtum zeigt, ihr Internat zu erhalten, finde ich nicht sehr kompetent. Ob dann die paar Ehemaligen wirklich die hohen Kosten für die Instandhaltung des Gebäudes und den Internatsbetrieb aufbringen können, ohne daß die Schulgelder erhöht werden, klingt ebenfalls völlig unglaubwürdig. Klar, die Kinder, die den Film gucken, mögen das glauben, aber das ist so von der Realität entfernt, daß ich mir eine etwas durchdachtere Lösung gewünscht hätte.
Fazit: ganz netter Film, die Rollenbilder der Kinder sind jedoch teilweise recht problematisch und nicht nachahmenswert - oder die Charaktere sind langweilig und austauschbar. Einzige Ausnahme ist die Rolle der Hanni (oder Nanni?), in der die Verwandlung von einem Teil von Zwillingen zu einer eigenständigen Persönlichkeit mit eigenen Wünschen und Begabungen beschrieben wird. Dafür und für den Mut, den Einfallsreichtung und das Verantwortungsbewußtsein der einen Schwester gibt es von mir die 2 Punkte.