Für mich, einen von denen, die Wader, Mey und später auch Wecker von der Pike auf bei möglichst vielen Konzerten möglichst von ganz vorne gesehen und gehört haben, waren diese Herren und deren Lieder eine ganz prägende Größe in meinem Leben und sind es bis zum heutigen Tag geblieben. Und damit sind diese Lieder - oder zumindest einige davon - auch zu prägenden Bestandteilen meines Wesens und meines Lebens geworden. In diesem Sinne sind sie dann, wenn ich sie spiele, auch MEINE Lieder. Und damit habe ich jedes Recht der Welt, diese Lieder so zu spielen, wie ICH sie fühle, wenn ich sie spiele, ohne jegliche Rücksicht auf das Original Intro, Outro, Bridge oder was weiß ich was noch für Rafinessen ... Ich muss und will Hannes, Reinhard und Konstantin niemals 1:1 kopieren, zumal dieser Versuch ohnehin nur ein müder Abklatsch des Originals sein müsste, denn ich habe eine andere Biographie und die Situationen, in denen mich die Lieder treffen wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel, sind andere als die der Autoren. Und das darf man in meiner Interpretation auch hören. Und noch ein Letztes: Ich bin in der glücklichen Lage, einen mittlerweile erwachsenen Sohn zu haben, der weitgehend mit mir musikalisch im gleichen Takt tickt und der somit auch die Kraft der Lieder dieser großen Liedermacher spürt. Ich spiele Gitarre, mein Sohn Klavier. Hannes hat soviel ich weiß nie einen Pianisten bei einem seiner Livekonzerte dabei gehabt. Trotzdem spielen mein Sohn Andreas und ich z.B. "Gut, wieder hier zu sein" mit Gitarre, Klavier und zweistimmigem Gesang. Und genau so spielen wir dieses Lied sogar hin und wieder auch in Gottesdiensten. Auch nicht unbedingt der Kontext, in dem Altmeister Hannes bevorzugt in Erscheinung tritt. Dabei sind uns die Liederbücher eine Hilfe, weil sie uns eine harmonische Orientierung bieten, die wir sonst erst von der CD raushören müssten. Und wir haben den Text vorliegen. Mehr nicht. Aber das reicht. Alles andere ist unsere Sache, und das ist gut so. Man stelle sich nur mal vor, alle die vielen Tausend Dylan-Covermusiker hätten alle Songs des Meisters exakt so gespielt wie dieser - Was für geniale und durch und durch selbstständige Coverversionen wären nie erschienen!
War das nun eine Rezeision genau dieses Liederbuchs? - Hmmm, eigentlich nicht wirklich. Aber es war eine Standortbestimmung zum Thema Liederbücher schlechthin.
Es ist gut, dass es Liederbücher gibt. Aber lassen wir uns von ihnen nicht knechten, sondern zum individuellen Musizieren anregen und befreien.