Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Nachricht von Hannelore Kohls Selbstmord überraschte und schockierte am Morgen des 05. Juli 2001 viele Menschen in ganz Deutschland. Nur wenigen Vertrauten war bekannt, dass Frau Kohl an einer tückischen Krankheit litt, deren Folgen sie nicht mehr länger ertragen konnte. Spätestens mit dem Amtsantritt Helmut Kohls als Bundeskanzler im Jahr 1982 stand auch Hannelore Kohl im öffentlichen Rampenlicht, wenn auch zumeist im Schatten ihres Ehemanns. Wie sah das Leben dieser Frau aus, die sich nicht nur damit begnügte, den Part der Politikergattin zu spielen? Die Journalistin Dona Kujacinski und Peter Kohl, der jüngere Sohn von Hannelore und Helmut Kohl, entwerfen mit ihrer Biografie das Bild einer bemerkenswerten und engagierten, aber oft verkannten Persönlichkeit, deren Leistungen und Verdienste Respekt verdienen.
Hannelore Kohl, geborene Renner, Jahrgang 1933, steht stellvertretend für das Schicksal vieler Frauen im Nachkriegsdeutschland. Am Anfang stand die Flucht in den Westen und die darauf folgenden Hungerjahre nach dem Kriegsende. Der Traum vom Studium platzt wegen des frühen Todes ihres Vaters, sie muss ihr eigenes Geld verdienen, um über die Runden zu kommen. 1960 heiratet sie Helmut Kohl und dessen kometenhafter Aufstieg in der Politik verändert ihr Leben grundlegend. Als Zeichen ihres sozialen Engagements gründete Hannelore Kohl 1983 das Kuratorium ZNS für Unfallverletzte mit Schäden des Zentralen Nervensystems, und fand damit eine Aufgabe, in der sie mit hohem Einsatzwillen bis zuletzt tätig war.
Dank ausführlicher Recherchen, privater Unterlagen und zahlreicher Gespräche mit Zeitzeugen ist es den beiden Autoren gelungen, ein sehr persönliches Porträt von Hannelore Kohl zu zeichnen. Damit halten sie die Erinnerung an eine ungewöhnlich beeindruckende und charakterstarke Frau wach, die mehr war, als nur die Ehefrau eines Bundeskanzlers. --Christoph Reudenbach
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 28.02.2002
Zwei Biografien, die sich mit Leben und Sterben der Kanzlergattin befassen, stellt Elisabeth von Tadden uns vor: Patricia Cloughs "Hannelore Kohl. Zwei Leben" (DVA) und "Hannelore Kohl. Ihr Leben" von Dona Kujacinski und Peter Kohl (Droemer).
Die These, dass es bei den beiden Büchern weniger um die naheliegende Frage der Schuld am Freitod Hannelore Kohls geht als um die Frage der Deutungshoheit, stellt Thadden ihrer Besprechung voraus. Keines der Bücher, schreibt sie, öffne einen geheimen Abgrund, "keine neuen Nachrichten in Bezug auf Spenden oder Krankheitsbild". Auch das hier wie dort gezeichnete Bild der Kanzlergattin als klarsichtige Perfektionistin, die keineswegs Opfer ihres Mannes wurde, überrascht die Rezensentin nicht. Eher schon staunt sie über die leidvolle Geschichte von Kindheit und Flucht während des Krieges, die Clough mit Hilfe von Äußerungen Hannelore Kohls und bislang kaum bekannter Quellen, freilich so unangestrengt wie "zurückhaltend", entwirft. Anders im Buch des Sohnes. Nicht nur verzichte dieser auf die "Vorgeschichte" seiner Mutter; was er zusammen mit seiner Koautorin aufschreibt, erklärt Thadden, wirke auch "merkwürdig angestrengt", nicht zuletzt durch die Suggestion, eine Art Rufmordkampagne gegen den Ex-Kanzler sei Mitschuld am Tod der Frau. Als sollte hier ein bestimmtes Bild keine Kratzer bekommen.
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