Die Schauspielerin Hannah (Mia Farrow) und der Finanzexperte Elliot (Michael Caine) sind verheiratet, haben vier Kinder - davon stammen zwei aus Hannahs erster Ehe mit dem Comedian und TV-Produzenten Mickey (Woody Allen), zwei sind adoptiert. Hannah bewirtet zu Thanksgiving ihre gesamte Familie und Freunde, so daß auch ihre Schwestern Holly (Dianne Wiest) und Lee (Barbara Hershey) zu Besuch sind. In dem Jahr, da die Handlung, die sich dann über zwei Jahre erstreckt, einsetzt, verliebt Elliot sich in Lee. Hannah ist eine sehr verschlossene Frau, die ihre Probleme, die sie eigentlich gar nicht zu haben scheint, mit sich selbst, allerhöchstens mit Elliot ausmacht. Dadurch fühlen sich ihr andere schnell unterlegen. Vor allem Holly, die ein kompliziertes Leben führt, drogenabhängig war und immer wieder neue Versuche einer Karriere startet. Sie und ihre Freundin April (Carrie Fisher) sind Schauspielerinnen, ziehen jedoch einen Catering Service auf, da sie beide hervorragend kochen können. Elliot sehnt sich nach jemandem, für den er da sein kann. Er ist ein Feingeist, belesen und gebildet. Er projeziert diese Bedürfnisse auf Lee, die mit dem weltverachtenden Künstler Frederick (Max von Sydow) zusammenlebt, dem Elliot hin und wieder Kunden zuschanzt.
Aus dieser Ausgangssituation flicht Woody Allen die Geschichte, den Reigen, der seinen 20. Film betimmt. Ohne in die Details gehen zu wollen, kann man hier kurz sagen, daß der Zuschauer Zeuge zweier wichtiger Jahre im Leben dieser Protagonisten wird; daß Elliot und Lee eine Affäre eingehen und wieder beenden werden; daß Lee darüber ihre Beziehung mit Frederick in Frage stellen und schließlich beenden wird; daß Elliot bei Hannah bleiben und dies nicht bereuen wird; daß Mickey - ein Hypochonder, wie er im Buche steht - mit dem Tod konfrontiert werden wird und daraus eine existenzielle Sinnsuche hervorgeht, die schließlich damit endet, daß er offen ist für eine neue Liebe; daß diese neue Liebe Holly sein wird, die in der beschriebenen Filmzeit herausfindet, daß es nicht die Schauspielerei ist, die ihre eigentliche Kreativität fordert, sondern das Schreiben und Hannah...Hannah wird gelernt haben, daß sie andere dadurch verletzt, daß sie so gut ist, nie jemanden verletzt und alles allen recht machen will. Und das genau das der Grund ist, warum andere sie manchmal ablehnen.
Woody Allen, der in den 80er Jahren vielleicht seine beste Zeit hatte, der mit der New-York-Trilogie der späteren 70er Jahre - bestehend aus "Der Stadtneurotiker", "Innenleben" und "Manhattan" - den eigentlichen Ton dessen gefunden hatte, was einen Woody-Allen-Film ausmachen sollte, also diese immer etwas tragikomische Mischung aus Melancholie und einer doch stilleren Komik, als noch in den 70er Jahren, in denen alles etwas schriller und lauter und auch deftiger war, legt mit diesem Film aus der Sicht des Rezensenten seinen besten Film neben "Annie Hall" (Der Stadtneurotiker) vor. Das Meisterwerk. Hier kommt vieles zur Erfüllung, was sich davor andeutete, was in den New-York-Filmen schon ausprobiert wurde, was in Ton und Bild definiert, wieso Woody Allen wurde, was er ist: Der Lieblingsintellektuelle der Gebildeten, der Großmeister des New Yorker Künstler-, Intellektuellen- und Schriftstellermilieus, der Chronist der gebildeten Ostküstenschicht, ihrer Ansichten, Meinungen und vor allem ihrer Neurosen.
Es ist schwierig, das Spezifische dieses Films zu erklären. Es ist ein ruhiger Film, es gibt keine großen Szenen, in denen viel passieren würde, es gibt keine dramatischen Ereignisse oder gar Action (wie auch, in einem Allenfilm?). Ruhig und genau beobachtet die Kamera, meist aus der Halbdistanz, wie sich dieser Liebes- und Lebensreigen abspult, wie diese "ganz normalen Menschen" ihr "ganz noemales Leben" führen, irgendwo zwischen der Zuneigung zueinander, der Annahme, daß es immer so weiterginge, wie es läuft und der Komik, die wir alle erleben angesichts der vielen kleinen Mißgeschicke des alltäglichen Lebens.
Man versteht diese Menschen - Elliot in seiner Midlife-Crisis, seinem Sehnen nach einer nochmal romantischen Beziehung, die sich zwischen ihm und Lee dann in unpersönlichen Hotelzimmern abspielen muß, man versteht Lee, die ehemalige Alkoholikerin, die von dem Künstler Frederick ausgenutzt wird und in einer "Pygmalion"-ähnlichen Situation feststeckt und sich unbedingt befreien muß, man versteht Holly, die so unbedingt die Anerkennung ihrer Umgebung, Hannahs aber vor allem dieser Eltern will - Eltern, die, wie Hannah einmal sagt, es für "eine großartige Idee hielten, Kinder zu haben, nur nicht, diese auch aufzuziehen", Eltern, die aus dem Kosmos New Yorker Künstler und Schauspieler stammen, die wunderbar die "alten Lieder", die großen Melodien des Broadway vortragen können und nicht damit klar kommen, älter zu werden und verbrauchter - und dabei erst sich selbst verliert, bevor sie ihre eigentliche Bestimmung finden kann, man versteht sogar Mickey, den Hypochonder, den jüdischen Sinnsucher, der es mal bei den Katholiken, mal bei den Krishnas versucht, am Ende aber durch einen Marx-Brothes-Film "geheilt" wird.
Man versteht diese Menschen in all ihren eher undramatischen, alltäglichen Leben. Das Verdienst Allens ist es, uns diese Alltage als ebenso "normal" wie eben doch spannend zu zeigen. Und sein vielleicht noch größerer Verdienst ist es, diese unglaublich gute Schauspielerriege zusammen getrommelt zu haben,um diese Figuren mit Leben zu füllen. Alle - vom späteren Oscargewinner (beste Nebenrolle) Michael Caine über die ewig unterschätzte Barbara Hershey, die immer wunderbare Dianne Wiest, bis zur ätherisch fast durchschimmernden Mia Farrow, die zu dieser Zeit noch mit Allen liiert war - legen hier eine der ganz großen Performances ihrer Karrieren hin! Es ist allein schon deshalb ein reines Vergnügen, den Film immer wieder zu schauen: Diesen Schauspielern zuzuschauen, macht einfach richtigen Spaß.
Selbst jenen, denen Woody Allen nicht so ganz geheuer ist, die seinen oft sehr sophisticated Humor nicht mögen, denen das alles zu aufgesetzt, zu langweilig ist, ja, selbst jenen (und der Rezensent zählt sich dazu), die mit Allens Spätwerk gar ichts mehr anfangen können, kann nicht verborgen bleiben, mit wieviel Liebe und Genauigkeit Woody Allen diesem Film den Stempel eines Meisterwerks einprägt.
Ganz gorßes Kino abseits Hollywoods!