Das Buch ist durchaus interessant - aber nur, weil das Sujet interessant ist. Die Biographie zweier so faszinierender Persönlichkeiten wie Hannah Arendt und Heinrich Blücher, die auf den ersten Blick überhaupt nicht zueinander zu passen scheinen, kriegt nicht einmal ein so langweiliger Autor wie Bernd Neumann kaputt. Er zählt auf, gibt ein paar klischeehafte Wertungen und meint anscheinend, einen wichtigen Beitrag geleistet zu haben. Dabei stellt er lediglich bekannte Tatsachen zusammen, denen er oberflächliche Deutungen beimischt, gern zum Thema der "erotischen Leidenschaft". Die habe in Hannah Arendts erster Ehe gefehlt (9) - wenn man sich eben auch von Eltern und Schwiegereltern beeinflussen läßt. Viel billiger geht es kaum. Und wird das wirklich dem Gegenstand des Buches gerecht - auch wenn es in der Reihe "Paare" bei Rowohlt erschienen ist? Weil das aber nicht reicht, kommt das Ganze auch noch in einem gräßlichen Stil daher. "Hitlers "Machtergreifung" (warum eigentlich - mit konstanter Bosheit - in Anführungszeichen?) stand unmittelbar vor der Tür. Sie wird sowohl Arendt wie Blücher aus Berlin vertreiben." (12) "Heinrich Blücher war es nicht bestimmt, zum Objekt einer Biographie zu werden." (70) "Der Lernende anverwandelte sich zur Gänze an seinen Lehrer". (141) Das verstehe mal einer. Gemeint ist, daß ein Student in der Lage war, Blücher zu imitieren. Was wären wir ohne diese Information. "Der Vortragende (Blücher) saugt zuweilen heftig an seiner Zigarette und zeigt nach einer gewissen Zeit deutlich stimmliche Ermüdungserscheinungen". (139) Letzteres Zitat kommentiert ein Tonband mit Vorlesungen Blüchers - als ob es nichts Wichtigeres zu beobachten gäbe. Stilistisch ist an diesem Zitat weniger auszusetzen als an der Konzentration auf Trivialitäten. Hierfür ist es paradigmatisch. Blücher ist mal Heinrich, im nächsten Satz Blücher, drei Sätze weiter wieder Heinrich, immer schön abwechselnd. Spätestens als die beiden in Amerika leben, wird er auch als "der Deutsche" oder "der Berliner" apostrophiert. Der Gerechtigkeit halber trifft der gleiche Abwechslungsreichtum auch auf Hannah Arendt zu. Wann welche Bezeichnung gewählt wird, ist sachlich kaum ersichtlich begründet. Allerdings avanciert sie später zur "Prozeßbeobachterin" (des Eichmann-Prozesses, 169) und zur "Laureatin" (anläßlich des dänischen Sonning-Preises, den sie kurz vor ihrem Tod erhielt, 196) - wiederum jedoch nur, um die Bezeichnung abzuwechseln. Erfrischend sind die eingestreuten Zitate vor allem von Arendt (Blücher wird gelegentlich englisch zitiert). Hier sieht der geneigte Leser, wie man auch schreiben kann: knapp, präzise, treffend. Insgesamt schade. Hannah Arendt und Heinrich Blücher hätten eine angemessenere Würdigung verdient.