Hannah Arendt ist "in". Davon zeugen viele mittlerweile auch gerade in jüngerer Zeit erschienen Einführungen in Leben und Werk der berühmten jüdischen Philosophin. Ihr Lebensweg faziniert, nicht nur ihre theoretisch-philosophischen Anstrengungen. In widrigen Lebensumständen, der Flucht aus Deutschland in der Zeit des Nationalsozialismus und die Einwanderung in die Vereinigten Staaten, lernt Arendt sich unter verschieden gesllschaftlich-politischen Bedingungen immer wieder zu behaupten und Anschluss an die jeweiligen intelektuellen Kreise zu knüpfen. Gerade ihre politisch-philosophische Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich prägt weite Teile des Werkes der Schülerin von Heidegger und Jaspers. Zu zentralen Fragen gehören u.a.: Wie kann es zu einem totatlitären politischen Gebilde wie dem deutschen NS-Staat kommen, indem sich alle Werte in ihr Gegenteil verkehren können? Was ist das Wesen einer solchen totalen Herrschaft? Was können wir, was kann Politik tun, um die Entstehung einer totalitären Herrschaft zu verhindern? Was ist Politik in ihrem Kern? Nicht untypisch für H. Arendt ist die Erörterung ihrer philosophischen Anliegen und Fragen auf der Basis konkreter aktueller oder historischer gesellschaftlicher Entwicklungen und Ereignisse. Nicht selten hat man ihr auch den Vorwurf gemacht, besonders in ihren historischen Analysen die gängigen Konventionen wissenschaftlicher historischer Arbeit zu vernachlässigen. Kritik an ihrem Werk hat die jüdische Philosophin zu Lebzeiten nicht wenig erfahren. Besonders die ihr Bericht über den Eichmann-Prozess in Jerusalem hat ihr, v.a. von jüdischen Kollegen, viel Unmut eingebracht aufgrund ihrer Bewertung des Prozessverfahrens und des Angeklagten Eichmann selbst. Arendts Philosphie und ihr Lebensweg, die aufs engste miteinender verknüpft sind, werden von Sontheimer sehr leicht zugänglich vorgetragen und lassen sich hier flott erkunden. Es wird keine kleingearbeitete Systematik des arendtschen Denkens geboten, der Autor richtet sich vornehmlich an ein breites Lese-Publikum mit einem Interesse für Leben und Werk der Philosophin, deren Lebensweg er erst chronologisch vorstellt, dann ihr Werk chronologisch-systematisch bearbeitet. Insgesamt sehr gelungen.