Antonia Grunenberg Hannah Arendt und Martin Heidegger
Piper Verlag ISBN: 3492044905
Hannah Arendt und Martin Heidegger ist der Titel des Buches von A. Grunenberg.
Genau genommen aber geht es um die Geschichte der Philosophie zum ausgehenden 19. Jahrhundert bis weit in das 20. Jahrhundert hinein.
AG liefert mit diesem Buch eine breite Entwicklungsgeschichte über die philosophischen und politischen Richtungen zur Zeit des ausgehenden Wilhelminischen Zeitalters über die Weimarer Republik, den zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus des dritten Reichs bis in die Zeit danach.
Mit Karl Jaspers und Martin Heidegger betraten um 1915 -20 zwei Vertreter einer neuen philosophischen Denkrichtung die Bühne der Wissenschaft. Sie waren befreundet, später verfeindet, immer aber im Denken auch mit einander verbandelt. Es ging ihnen um das Denken und das Sein und die Zeit. Sie waren Vorläufer und Begründer der Existenzphilosophie.
In diese Welt der Denkumbrüche geriet die intelligente, begabte und in großer Freizügigkeit des Denkens erzogene Hannah Arendt. Dass sich zwischen ihr und Heidegger eine leidenschaftliche Liebesbeziehung entwickelte, entsprach wohl mehr den äußeren Umständen einer gegenseitigen Anziehung als einer wirklichen inneren Verbundenheit. Sie wechselte später von ihrem Lehrer Heidegger in Marburg zu Jaspers nach Heidelberg, bei dem sie ihre Doktorarbeit schrieb.
Der erste Teil des Buches ist den verschiedenen Denkrichtungen gewidmet, die jedoch zeitgleich mit der politischen Geschichte zu sehen sind. Viele bekannte Namen der Philosophie und Sozialgeschichte finden Eingang in diese Darstellung.
Es folgen die Entzweiungen, übrigens auch zwischen Heidegger und Jaspers. Letzterer hatte eine jüdische Frau und verlor 1937 seine Professorenstelle. Heidegger wurde ein strammer Nazi, der sich erst später innerlich von der Politik wieder etwas distanzierte. Er bleibt in der Darstellung ein unsympathischer Mensch, der sich den heraufkommenden Zeiten mit Verve angeschlossen hat, wenngleich seine Wissenschaft weiterhin von Bestand war.
Hannah Arendt zog es früh in die Emigration. Sie war zuerst mit Günter Stern, der sich später Anders nannte, dann mit Heinrich Blücher verheiratet. Sie ging ihre ganz eigenen Wege in Amerika: kontaktfreudig, organisatorisch begabt, immer denkend, arbeitend und lebendig ihrer eigenen Profession folgend.
AG hat mit großer Detailkenntnis eine Unmenge von Zeugnissen zusammengetragen, die sie zu dieser Biographie verarbeitet hat. Das Buch ist genau recherchiert, mit vielen Anmerkungen im Anhang versehen und ergibt ein abgerundetes Bild der Philosophie- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dass sie daneben auch die menschlichen Bezüge in die Darstellung dieses Buches mit einbezogen hat, ist ein großer Verdienst.