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Hannah Arendt / Gershom Scholem Der Briefwechsel: 1939-1964
 
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Hannah Arendt / Gershom Scholem Der Briefwechsel: 1939-1964 [Gebundene Ausgabe]

Hannah Arendt , Gershom Scholem , David Heredia , Marie-Luise Knott
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 695 Seiten
  • Verlag: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (11. Oktober 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3633542345
  • ISBN-13: 978-3633542345
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 59.751 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ihre Briefe sind ein historisches Dokument.«

(Lorenz Jäger Frankfurter Allgemeine Zeitung )

»Auf dieses Rencontre durfte man gespannt sein: die mehrfach angekündigte vollständige Ausgabe der Korrespondenz zwischen Hannah Arendt und Gershom Scholem. Zwei Hitzköpfe, im zwischenmenschlichen Verkehr von ungeschöntester Direktheit, im Höchstmass befähigt, ihren Argumementen und Allergien adäquaten Ausdruck zu verschaffen, treffen hier aufeinander.«

(Ludger Lütkehaus Neue Zürcher Zeitung )

»Fest steht, auch im Duett mit Scholem erweist sich Arendt als große Briefeschreiberin.«

(Klaus Bittermann Die Tageszeitung )

»Die diesbezüglichen Briefe – ob ihres quasi ›geschäftlichen‹ Charakters im Unterschied zu den übrigen größtenteils auf Englisch verfasst – unterstreichen das große Organisationstalent Arendts und das ungeheure philologische Wissen Scholems, dessen Expertise von großem Wert inmitten des Nachkriegschaos war. … Man liest selbst diese sich in einzelnen Fundorten, zuständigen Personen und anzuwendenden Strategien zum Teil verlierenden Briefe gern, was an der direkten Art beider Autoren liegt, die wahrlich kein Blatt vor den Mund nehmen. … Der Briefwechsel zwischen Arendt und Scholem ist getragen von hoher gegenseitiger Wertschätzung. Ihre Unerbitterlichkeit und Eigenwilligkeit machten aber auch voreinander nicht halt.«

(Christine Pries Frankfurter Rundschau )

»Die beiden Herausgeber, Marie Luise Knott und David Heredia, haben dem Briefwechsel noch umfangreiche, gründliche und äusserst hilfreiche Quellen und Erläuterungen angehängt. Ihre Kommentare zu den Briefen zeugen von immenser Arbeit, sind mustergültig und machen den Band insgesamt zu einem grossen Dokument deutsch-jüdischer Geistesgesichte.«

(Claudia Kühner Tages-Anzeiger )

»Exemplarisch markiert der Briefwechsel unterschiedliche Denkpositionen, die nicht nur hinsichtlich deutsch-jüdischer Geschichte bis heute bedeutsam sind. Und er vermittelt einen unverstellten Eindruck vom Wesen der beiden Briefeschreiber - ihrer geistigen Größe, ihrer Idiosynkrasien, ihrem Temperament, ihrer Herzensbildung. Auch von ihrer Streitlust und beider Selbstbewusstsein, das mitunter ins Arrogante umschlägt. ... Doch das bis dahin Geschriebene ist konzis, klug, menschlich und klingt so lebendig, dass man das Gefühl hat, einem Gespräch zu lauschen, das immer noch anhält.«

(Carsten Hueck Deutschlandradio Kultur )

»Doch der geduldige Leser wird sich einen Gesamteindruck dessen machen können, was bedeutende jüdische Denker in der Nachkriegszeit beschäftigte: die Vergangenheit, natürlich, aber auch der Umgang mit der eigenen Kultur nach der Katastrophe. ... Diese Korrespondenz ist darüber hinaus ein Genuss für alle, die gerne in die Welt des intellektuellen Schaffens eintauchen. Scholems Vorliebe für Schokolade, Arendts bissige Anmerkungen zu anderen Kollegen, die Verbundenheit der beiden zu Europa… Alles Details, die hinter den großen Denkern vor allem die Menschen erkennen lassen ...«

(Claire-Lise Buis Deutschlandradio Kultur )

»Diese fundiert editierte und kommentierte Briefsammlung ist für Materieneulinge wie für KennerInnen eine Fundgrube an jüdisch-intellektueller ZeitzeugInnenschaft.«

(Birge Krondorfer Eiber Diwan. Die feministische Rezensionszeitschrift )

Kurzbeschreibung

»Juden sterben in Europa und man verscharrt sie wie Hunde.« So schließt der Brief, in dem Hannah Arendt im Oktober 1940 Gershom Scholem mitteilt, daß sich Walter Benjamin auf der Flucht vor den Nazis das Leben genommen hat. In Zeiten größter Bedrohung beginnt eine Korrespondenz, die getragen ist vom Engagement für das Werk des gemeinsamen Freundes und in der von New York und Jerusalem aus immer die Welt des europäischen Judentums im Blick bleiben wird. Im Auftrag der Jewish Cultural Reconstruction, deren Ziel die Rettung der von den Nazis geraubten jüdischen Kulturgüter ist, reisen Hannah Arendt wie auch Gershom Scholem in den frühen Nachkriegsjahren erstmals wieder nach Deutschland. Dieses weitgehend unbekannte Kapitel in beider Geschichte wird über die Briefe hinaus durch bislang unveröffentlichte Berichte Hannah Arendts von ihrer Deutschlandreise 1949/50 dokumentiert. 1963 erscheint Hannah Arendts Buch Eichmann in Jerusalem. Ihre darin geäußerte Kritik an jüdischen Repräsentanten während der Zeit der Shoah wird von Gershom Scholem in einer auch öffentlich ausgetragenen Kontroverse radikal verworfen: Der über mehr als zwei Jahrzehnte aufrechterhaltene Dialog in Briefen endet im Schweigen. Der erstmals publizierte Briefwechsel von Hannah Arendt und Gershom Scholem ist ein einzigartiges zeithistorisches Dokument: eine Auseinandersetzung über entscheidende Fragen jüdischer Geschichte und jüdisches Selbstverständnis nach der Shoah, geführt von zwei der bedeutendsten Denker deutsch-jüdischer Herkunft im 20. Jahrhundert.

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Format:Gebundene Ausgabe
Die Freundschaft zwischen Hannah Arendt, Jahrgang 1906, und dem neun Jahre älteren Gershom Scholem entstand durch Walter Benjamin. Scholem kannte Benjamin schon seit Berliner Gymnasialtagen vor dem Ersten Weltkrieg, als sich die zionistische Jugendgruppe "Jung-Juda", der Scholem angehörte, mit Angehörigen der in denselben Kreisen wirksamen Jugendbewegung "Sprechsaal der Jugend" traf, die unter dem Einfluss des Reformpädagogen Gustav Wyneken stand und in welcher Walter Benjamin, Jahrgang 1892 und damit fünf Jahre älter als Scholem, Hauptsprecher war. Die beiden freundeten sich eng miteinander an und hatten fortan intensiven gegenseitigen Einfluss aufeinander bis zum Selbstmord Benjamins im katalonischen Portbou an der spanisch-französischen Grenze am 26. September 1940.

Arendt lernte Benjamin als Cousin ihres ersten Mannes Günther Stern kennen, den sie 1929 geheiratet hatte. Sie schätzte und bewunderte Benjamin, ohne dass es zu einer mit Scholem vergleichbaren Nähe oder Vertrautheit mit der Person oder dem Werk Benjamins kam. Sie hatte 1924 in Marburg ein Studium der Philosophie bei Martin Heidegger aufgenommen, mit dem sie auch ein Liebesverhältnis einging, war dann aber nach Freiburg zu Husserl und anschließend zu Jaspers nach Heidelberg gewechselt, wo sie 1928, 22-jährig, über den Liebesbegriff bei Augustin promovierte. Bereits 1933 vertrat sie die Auffassung, dass der Nationalsozialismus aktiv zu bekämpfen sei, folgte ihrem Mann ins französische Exil, von dem sie sich aber 1937 scheiden ließ, um den nicht-jüdischen deutschen Kommunisten Heinrich Blücher zu heiraten. In den französischen Jahren entwickelte sich auch eine Freundschaft zu Benjamin. 1941 konnte sie sich mit ihrem Mann und ihrer Mutter über Lissabon nach New York retten, wo sie nach harten Anfangsjahren einen auch international bedeutenden Ruf als eigenwillige Autorin zu Grundfragen der politischen Theorie, wie etwa des Totalitarismus, der Rechtstaatlichkeit und Gewaltenteilung etc. eher außerhalb des Wissenschaftsbetriebes gewann, obwohl sie auch Lehraufträge an den Universitäten Princeton, Chicago und New York wahrnahm.

Scholem lernte Hannah Arendt erst 1932 bei einem Besuch von Jerusalem aus in Berlin über gemeinsame Freunde kennen. Scholem, wie Arendt und Benjamin das Kind säkularer jüdischer Eltern, hatte sich schon als Jugendlicher in Abkehr von seinem deutsch assimilierten Vater für den Zionismus entschieden, war nach einem Studienbeginn in Mathematik und Philosophie zur Orientalistik gewechselt, promovierte 1922 in München mit einer Arbeit zur Sprachtheorie der Kabbala, wanderte 1923 nach Palästina aus, wo er wesentlich an der Gründung und dem Ausbau der Hebräischen Universität in Jerusalem beteiligt war, an der für ihn dann auch eine Professur für jüdische Mystik geschaffen wurde. 1931 wurde er als Gründungsmitglied des politischen Verbandes Brit Shalom (auf deutsch "Bekenntnis zum Frieden"), der sich für eine jüdisch-palästinensische Verständigung eingesetzt hatte, offiziell vom Zionistenkongress ausgeschlossen.

Der ausführlich und vorbildlich kommentierten Korrespondenz der 141 von Oktober 1939 bis Juli 1964 zwischen Scholem und Arendt ausgetauschten und nun von Marie Luise Knott herausgegebenen Briefe geht diese zum besseren Verständnis unerlässliche Vorgeschichte voraus, die in der Korrespondenz aber nicht mehr explizit vorkommt, da sie erst kurz vor Benjamins Selbstmord einsetzt.

Im Vordergrund steht zunächst die Trauer um den der Verfolgung durch die Nazis geschuldeten Tod des gemeinsamen Freundes und die Sorge um Bergung und Veröffentlichung seines umfangreichen Nachlasses. Vermutungen über dessen Verbleib und über die Nachlassrechte an ihm werden ausgetauscht, wobei Fragen zu möglichen Rechten des seit 1931 von Max Horkheimer geleiteten Frankfurter Instituts für Sozialforschung (IfS) aufgeworfen werden, das 1933 von den Nazis geschlossen worden war und allmählich seine Aktivitäten aus dem amerikanischen Exil heraus wieder aufnahm durch weitere Herausgabe der Zeitschrift für Sozialforschung, fortgeführt im Exil als Studies in Philosophy and Social Science. Walter Benjamin hatte sich nach frühem Scheitern einer universitären Laufbahn und einem dem Nationalsozialismus ausweichenden Exil in Frankreich die letzten Jahre seines Lebens weitgehend von Stipendiatsbezügen als Autor des IfS ernährt.

Da Scholem von der tiefen Verwurzelung Benjamins in jüdischer Tradition und Gläubigkeit wusste, die sich durch sein gesamtes Werk zieht, hatte er seit Jahren versucht, den Freund gleichfalls zur Übersiedlung nach Palästina zu bewegen, wo er ihm eine Position an der Hebräischen Universität hätte verschaffen können. Benjamin fühlte sich von diesem Vorschlag angezogen, gleichzeitig aber auch von den Theorien des dialektischen Materialismus, die nach dem Ersten Weltkrieg ihren Siegeszug durch sämtliche Sozialwissenschaften nahmen. Jahrelang hatte Scholem mit dem Freund über die Unvereinbarkeit beider Positionen gestritten, ihm Illusionen und Selbstbetrug vorgeworfen, ohne ihn von seiner "Janusköpfigkeit" abbringen zu können. Unter dem Einfluss des von ihm bewunderten Bert Brecht, aber wohl auch dem seiner lettischen Freundin Asja Lacis, versuchte er sein Denken von bourgeoisen Relikten zu reinigen, sich dabei aber umso intensiver an die metaphysische Ordnung der jüdischen Religion klammernd. Das führte nicht nur zu einer zunehmend unverständlich wirkenden, verschraubt-verknoteten Scholastik vieler Veröffentlichungen, zu äußerer Isolation und innerer Vereinsamung, in der ihn nur noch sein alter treuer Freund Scholem erreichen konnte, sondern auch zu Spötteleien und direkten Angriffen seitens Brecht und Horkheimer, die sich gerade über diese tiefe Gläubigkeit bei Benjamin mokant äußerten. Horkheimers Kollege Theodor Wiesengrund Adorno, der mit Horkheimer im kalifornischen Exil gemeinsam an deren gemeinsamem Hauptwerk "Dialektik der Aufklärung" arbeitete, hatte als einziger aus Horkheimers Entourage tieferes Verständnis und Sympathie für Benjamins Haltung, was Scholem in 1950 mit dazu bewogen haben mag, gemeinsam mit Adorno Benjamins Schriften herauszugeben. Seitdem verschwindet das Thema Benjamin weitgehend aus dem Briefwechsel mit Arendt (die ihrerseits grundsätzlich schlecht auf Adorno zu sprechen war, der die Habilitationsschrift ihres ersten Mannes zurückgewiesen hatte).

Arendts eigene Verwurzelung im Judentum war auch nicht frei von inneren Spannungen wie ihre bereits 1931 in Berlin begonnene und 1938 in Paris vollendete Studie über Rahel Varnhagen zeigt, der exemplarischen Geschichte des notwendigen Scheiterns von jüdischen Assimilationsanstrengungen in einem antisemitischen Umfeld. Scholem mochte zu dieser Studie wegen des in seinem Urteil vielleicht überholten, sozusagen nicht mehr der Mühe werten Gegenstandes die Augenbrauen hochgezogen haben. Zu einer ersten wirklichen Belastung seiner Freundschaft mit Arendt geriet aber erst ihre Kritik "Zionism reconsidered" zu dem 1944 in Atlantic City stattgehabten Zionistenkongress, zu der Scholem ihr im Januar 1946 schrieb, er sei "ungewöhnlich tief enttäuscht und...zum Teil auch erbittert". Seine eigenen Vorbehalte gegenüber dem Zionismus aus der Brit Shalom Phase fünfzehn Jahre früher hatte Sholem unter der Erfahrung des inzwischen stattgehabten millionenfachen Judenmordes und der zynischen Intransingenz sowohl der Araber wie des englischen Protektoratsregimes in Palästina in Bezug auf gleich welche humanitäre Lösung der jüdischen Flüchtlingsnot revidiert. Unter den in Jerusalem damals herrschenden Umständen existentieller Bedrohung und alltäglicher Überlebensangst bekannte er sich nunmehr zu einem jüdischen Nationalstaat, was umgekehrt Hannah Arendt entsetzte. Aber sie schließt ihren Antwortbrief an den "lieben Freund" mit der Aufforderung, "es in diesem Falle so zu halten, wie ich; nämlich dass einem Menschen mehr wert sind als ihre Meinungen, aus dem einfachen Grunde weil Menschen de facto mehr wert sind als was sie denken oder tun".

Damit verweigerte sich Arendt gleichwohl einer jüdischen Parteilichkeit in letzten Fragen, die ihr nicht nur von Scholem vorgeworfen wird. Tiefste auch menschliche Solidarität war für Scholem nur denkbar nicht auf Basis abstrakt-theoretischer Humanitätserwägungen, sondern nur auf dem Fundament der gemeinsamen jüdischen Tradition.

Der nicht-jüdische Leser wird sich zurückhalten in der Bewertung dieser beiden Grundhaltungen. Wenn der noch heute ungelöste Palästinakonflikt eine der gefährlichsten Bedrohungen des Weltfriedens darstellt, wird man dies trotzdem mit Arendt, letztlich allerdings auch mit Scholem, als den Preis für die frühe Fehlentscheidung der Zionisten für einen jüdischen Nationalstaat bezeichnen dürfen.

Arendts "abstrakt-rationalistischer Humanismus" ohne Rekurs auf spezifisch jüdische Fundierungen hat es ihr auch ermöglicht, sich nach dem Krieg wieder mit Martin Heidegger und Benno von Wiese zu versöhnen, die 1933 der NSDAP beigetreten waren, was auf jüdischer Seite wiederum nur Irritationen auslösen konnte. Lesen Sie weiter... ›
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