Komödien haben es bei mir in letzter Zeit verdammt schwer, ein herzliches Lachen oder gar einen Lachanfall zu entlocken. So genannte "Komödien-Hits", die man in den vergangenen 2-3 Jahren serviert bekam, waren immer irgendwie nach gleichem Schema aufgebaut oder ähnelten sich in ihrer Art zu sehr:
Zu zotig, zu altbacken, zu viel Aufgewärmtes an klassischen Gags oder einfach zu schlichter, harmloser Humor, der nicht überzeugen konnte. Ich hatte es fast aufgegeben, mir überhaupt noch dieses Genre anzutun, bis der Trailer zu "The Hangover" veröffentlicht wurde.
Die darin gezeigten Gags kamen gut an und versprachen einen insgesamt guten Film. Die Angst, dass die Trailer-Gags schon das Beste darstellten, bewahrheitete sich zum Glück nicht, denn "The Hangover" ist eine Spaß-Granate, die alle Komödien des Jahres 2009 locker in die Tasche steckt.
Die Story kennt mittlerweile jeder:
Die Freunde Phil, Stu und Alan feiern in Las Vegas den Junggesellenabend ihres Kumpels Doug, der anschließend Alans Schwester heiraten will. Es wird ausgiebig gebechert.
Nach einer durchzechten Nacht erwachen die Jungs mit einem Mordskater und Null Erinnerungsvermögen in ihrer demolierten Suite, von Doug fehlt jede Spur. Ein Tiger im Badezimmer, ein wildfremdes Baby im Wandschrank und diverse andere Hinterlassenschaften zeugen von einer wilden Feier, bei der irgendwie alles aus dem Ruder gelaufen sein muss.
Während das verbleibende Trio verzweifelt nach dem Bräutigam sucht, kommen immer mehr Details und Ereignisse der vergangenen Nacht zum Vorschein, und die Drei stellen dabei fest: SO betrunken wie sie waren, müssen sie unglaublich viel Sch*** gebaut haben.
Wer jetzt denkt, dass die Story zu wenig Potential für einen richtig komischen Film hat, der wird eines Besseren belehrt:
Todd Phillips' Film sprüht geradezu vor lauter guten Ideen und zündenden Gags. Hier werden keine Alt-Gags zum Abermalsten recycelt oder Standard-Humor nach Schema F 1:1 kopiert. Die Mischung aus Road Movie und Mainstream-Komödie ist das Kreativste, was man seit langem sehen durfte. Die Gag-Dichte ist so hoch, da kommt die Masse an aktuellen Komödien gar nicht mit. Ein Lacher jagt den Nächsten, und das in einem ungewöhnlich hohem Tempo. Der Humor ist zudem sehr abwechslungsreich gestaltet:
Mal recht derb oder gemein, mal leicht schlüpfrig, hin und wieder situationsbedingt und oftmals auch sehr erheiternd. Dieser Komik-Mix ist genau nach meinem Geschmack.
Aber der überaus witzige Film verdankt sein hohes Spaß-Niveau vor allem seinen Darstellern, denn sie verkörpern ein so tolles und abgedrehtes Trio, wie man es selten zuletzt gesehen hat:
- Der smarte, leicht arrogante Lehrer Phil, der nur auf Spaß und Abenteuer (und davon mehr bekommt, als ihm lieb ist) aus ist und krampfhaft versucht, über die absurde Situation hinweg Herr der Lage zu bleiben.
- Der spießige Pantoffelheld und Zahnarzt Stu, der ständig kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht, je mehr er über die vergangene Nacht erfährt und mit der Zeit zum größten Zyniker mutiert
- Der trottelige Alan, ein sympathisches kleines Moppelchen, das nur Unsinn im Kopf hat und in allem und jeden irgendwie noch was Gutes zu sehen scheint
Es ist wirklich lange her, dass ich so viele Tränen gelacht habe, und es tut wirklich gut.
Dieser Film ist purer Schwachsinn und teils ziemlich überzogen. Aber herrlichster Schwachsinn, bei dem die Lachmuskeln Überstunden leisten dürfen. Selbst beim Nachspann noch !