Zunächst ein Vorwort, wer die eigentliche Rezension direkt will, ohne Hintergrund info...ab Absatz 4!
Ich gebe zu, ich bin bei Neuerscheinungen Meat Loafs vorsichtig geworden!Klar, da gibt es zunächst einmal die typische Lobhudelei seitens des Künstlers(was soll der auch anderes sagen, und wenn es noch so ein bescheidenes Werk ist), Plattenfirma (hier gilt gleiches) und den ganzen Heerscharen von Fans, die das Werk dann gleich aus innerstem Antrieb auf die höchsten Stufen neben den alten Klassikern heben... und dann sitzt man ein paar Wochen später vor dem Player und hört Durchschnittsmaterial das von jedem anderen x-beliebigen Künstler hätte verbrochen sein können...
Bei Mr. Aday, der glaube ich seinen "Echt-"Namen kürzlich ändern ließ, so glaube ich mich zu erinnern, trifft das im besondern Maße zu! Viele, so auch ich- unterscheiden ganz klar zwische Steinman-Songs und sonstigen Liedern. Meat schreibt weitestgehend bekanntlich nicht selbst und ist somit auf fremde Hilfe angewiesen. Wenn er seinem tw. Kumpel, tw. Intimfeind Steinman die nötige Zeit gab (und ein Output bei Steinman liegt zeitlich im Schnitt bei gefühlten Jahrzehnten) dann kam da meist zeitloser Bombast auf höchstem Niveau heraus. Hatte sich Meat mit Jim zerstritten schrieben andere mit häufig mäßigem Talent für den Fleischklopps. Dann gab es entweder Kopierversuche des Steinmanschen Machwerks a la "I`d lie for you and that's the truth" oder "Couldn't have said it better", oder Allerweltsrocker wie "Testify", "Do it" (Oh mein Gott!) oder Schlagerschnulzen wie "You're right I was Wrong", die Liste läßt sich beliebig ergänzen, man schreckte selbst nicht davor zurück, in so scheint es übermenschlicher Verzweiflung einen Frank Farian ins Studio, da sit eigentlich alles gesagt....!
Für mich stehen in kurzen Worten die Bat Alben, und damit meine ich Bat 1, Bat 2 und Dead Ringer über allem als zeitlose Rockgeschichte. Daneben stehen viele der sonstigen Steinman Songs die ja (inkl. Bat 2) weitestgehend schon einmal -in Ermangelung von Zeit und/oder Freundschaft- nicht mit Meat sonder bei anderen Künstlern oder von Steinman selbst (höchst witzig) eingesungen wurden. Das vorliegende ALbum ist ohne Steinman und daher zunächst höchst suspekt! Aber es sollte mich positiv überraschen!Soviel zur Vorgeschichte!
Das Album ist wie gesagt nicht aus Steinmans Feder, der braucht vermutlich für wirklich neue Songs weitere Jahrzehnte und da Meat im Moment Lust hat zu singen und selbst kein Songschreiber ist, müssen andere her! Die haben ihm ein frisches Rockalbum gecshreiben, bei dem die Gitarren fett und brachial im Vordergrund stehen, ohne dabei Banalitäten a la "Testify" und "Couldn't have said it better" zu verbrechen.
Das Album startet "Bat-mäßig" mysteriös bis dann "Peace on Earth" losbricht. Alleine der Mut diesen knapp 6,30 Minuten Rocker mit all seinen Breaks und Tempowechseln an den Anfang zu stellen gehört belohnt! Und das Schöne: die Befürchtung, dass man ein Album voller Pseudorocker wie "Do it" und Konsorten vor sich hat, ist völlig unbegründet! Beeindruckend!
"Living on the outside" schiesst mit einem frischen Refrain weiter voran!Meat schreit, rockt, die Gitarren sind nie weichgespült oder mit Keyboards bis der Arzt kommt weichgespült... ich fass es nicht! Das ist für mich vielleicht die entscehidende Neuerung. Die Soli sind auf dem gesamten ALbum keine Allerweltssoli. Und sie dürfen scheinbar auch ruhig mal eine Oma im Supermnarkt verschrecken und das macht große Teile des Unterschiedes aus!
Die Single ist wie ich höre "Los Angeloser". Die ersten akustischen Gitarren bis hierher, nicht -Danke, Songschreiber!- der Versuch fürs Radio die 7. Kopie von Steinmans Balladen a la "I'd do anything for love" zu liefern. Nichts, was der Radiohörer spontan honoriert, aber durchaus cool!
Und dann kommt es doch noch, aber frisch, rockig und druckvoll, dass obligatorische Duett. Klingt zwar am ehesten nach Meat, ist aber weit vonm einer schnöden Kopie entfernt. na ja... recht weit....
Dann wird etwas eingebremst. "Love is not real" nimmt erst mal das Tempo etwas raus und erinnert mich dann im Gitarrenriff ein bisschen an Deep Purple mit Morse an der Klampfe. Bin gespannt wer dafür verantwortlich ist! Und plötzlich mitten im Song gerade als der Radiohörer sich auf den 12.Refrain einstimmen wollte ein Break! Damit hätte ich nicht mehr gerechnet! Geil!
"Like a rose" Bluesiges (ja bluesig) Gitarrenintro, cooler Text, wahrscheinlich dafür ein parental advisory button in den USA ... frischer Rocker, kurz schmerzlos. In Ordnung!
"Song of madness" Düsteres Intro, akustische Gitarren, schmachtender Meat, und dann wieder Dampf auf den Karren! Vielleicht mein Highlight auf der Platte. Brian May im Solo. Geiles Teil und nicht so offensichtlich May wie noch bei "Bad for good". Es ist Meat, aber es ist untypisch und absolut frisch!
"Did You ever Love Somebody" Ballade, kurz, trocken! Meat Original!
"California..." ist für mich so der überflüssigste Song auf der Scheibe, aber auch der ist zumindest nicht so, dass man die Rozine und Langeweile hört. Der geht auch noch absolut hörenswert durch, auch wenn er vermutlich den "test of time" nicht besteht!
"Running away from me". Was ist das denn? Die zweite Single? Was ganz anderes! Ein cooles "la la la lalla " im Refrain. Das hat was und lässt automatisch den Fuss mitwippen...
Wir vermerken Lied 11 und ich höre das erste mal ein Pianointro! Spätestens jetzt fällt auf, was bis hierher passiert ist. Klar eine Ballade, aber eine mit Daseinsberechtigung! "Let's be in Love!"
"If it rains" . Midtempo. Läutet irgendwie das Albumende so langsam ein! If it rains it rains! Was gibt es da noch zu sagen?
Elvis in Vegas als Abschluss ist stimmig. Keine Schnulze a la Cry to heaven (die ich aber auch mochte). Ein entspannter Midtemporocker mit Piano der das wirklich gelungene Album abschließt!
Fazit: Ich bin positiv überrascht. Das hätte ich ihm ganz ehrlich nicht mehr zugetraut! Eine echte Frischzellenkur und volle 4 Sterne für diesen Befreiungsschlag aus den "Fängen" von Steinman und Steinmankopien. Es bleibt Meat, aber "er" hat alles versucht um nicht zu kopieren und dabei was frisches eigenes zu fabrizieren! Respekt! Jetzt habe ich deutlich mehr geschrieben als ich wollte und werte das auch mal zugunsten des Albums!
UNd warum nur 4 Sterne? Weil Bat immer noch einen besonderen Stellenwert genießt und ich kein Fanboy bin!