Fundiert, gut lesbar und praxisorientiert war Hanf in der Medizin bereits 1997, als es als TB im Karl Haug-Verlag erschien. Seither ist viel geschehen: Dronabinol (synthetisches THC, Hauptwirkstoff der Cannabispflanze) wurde verschreibbar, sowohl in Österreich als auch in Deutschland gibt es je einen Menschen, dem der Hanfkonsum aus therapeutischen Gründen gestattet wurde, ein Spray auf der Basis natürlichen Cannabis steht in Großbritannien vor der Zulassung, Holland vertreibt medizinisches Marihuana über die Apotheken... und auch die Forschung hat keineswegs Halt gemacht, sondern sich im Gegenteil verstärkt darum bemüht, sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten der grünen Kraft zu untersuchen anstatt weiterhin Argumente der Verunglimpfung zu konstruieren.
Dr. Grotenhermen, Pionier der Hanfmedizin, hat den erklärenden Teil (geschichtliche Hintergründe, Chemie, Wirkungsweise, „Beipackzettel", Tipps zur Einnahme und Dosierung) der Erstauflage überarbeitet und ein sehr breites Kapitel überwiegend neu hinzugefügt: Beinahe die Hälfte des Buches widmet sich den Krankheiten und Symptomen, bei denen Cannabis und Cannabinoide wertvolle Linderung versprechen.
Der sachliche Tonfall ist geblieben - es ist erfrischend, zu diesem Thema zwischen hass- und angstverzerrter Propaganda und verklärter Beweihräucherung eine Stimme zu vernehmen, die die (überwältigenden) Fakten für sich selbst sprechen lässt. Diese umfassen erfreulicherweise auch wirklich (mutige) praxisbezogene Tipps: „Professor Brenneisen hat als optimale Decarboxylierungs-Bedingungen (Anm.: Umwandlung der in der Pflanze vorliegenden, unwirksamen THC-Säure in aktives THC) eine fünfminütige Erhitzung (Anm.: in Öl) bei 200 bis 210 Grad ermittelt."
Ein perfektes Sachbuch: klar, kompetent, knapp und dabei dennoch umfassend.