Genau zwölf Jahre sind nun vergangen, als sich in Ruanda einer der größten und grausamsten Völkermorde seit Menschengedenken ereignete. Von Anfang April bis Ende Juni 1994 wurden über eine Millionen Menschen im Land der großen Seen umgebracht und verstümmelt. Ein hundert Tage lang anhaltendes Massaker, und die Welt hat einfach zugeschaut.
Romèo Dallaire war Kommandant der UN-Blauhelme, die Anfang 1994 nach Ruanda abkommandiert wurden, um dort den Frieden zwischen der damals amtierenden Hutu-Regierung und der Tutsi-Rebellenarmee RPF zu bewahren. Als die Ausrottung der Tutsi schließlich am 6. April 1994 begann, wurde er von den Vereinten Nationen zum Zuschauen verdammt.
In seinem kürzlich, bei dem Verlag Zweitausendeins, erschienenen Buch „Handschlag mit dem Teufel" beschreibt Romèo Dallaire das Verschulden der Westmächte und der UNO und gibt Aufschluss darüber, wie leicht der Völkermord, lediglich durch die Präsenz mehrerer Blauhelme, hätte verhindert werden können, und wie brutal und menschenverachtend er dann doch durchgeführt wurde:
„Bei einer Fahrt zum Stadtzentrum sah ich einen Transporter des Roten Kreuzes von Kugeln durchlöchert quer auf der Straße stehen. Die Fahrertür stand offen und ein Ruander in der Weste des Roten Kreuzes hing aus dem Wagen heraus, sein Blick auf uns gerichtet, während in einem langsamen, stetigen Strom Blut aus seinem Kopf floss. Die Hecktüren waren offen, ein Toter auf einer Bahre befand sich noch im Inneren, ein anderer lehnte an der Stoßstange. Es gab drei weitere Opfer, umwickelt mit weißen, blutverschmierten Verbänden.
Eine Leiche hatte keinen Kopf.
Fünf blutbespritzte Jugendliche saßen am Straßenrand neben dem Krankenwagen und rauchten eine Zigarette. Ihre Macheten waren blutrot. Sie mochten höchstens 15 Jahre alt gewesen sein."
Das Buch erzählt vom Leid eines Volkes, das sich selbst getötet hat.
Romèo Dallaire, von einer Schuld verfolgt, die nicht seine ist, hat sich mehrfach versucht das Leben zu nehmen, dann schrieb er dieses Buch.
Die Welt hat ihm damals kein Gehör geschenkt; mit schrecklichen Folgen.
Diesmal sollten wir ernst nehmen, was dieser Mann zu sagen hat.