Screaming Lord Sutch war ein englischer Exzentriker, Musiker und - nun ja - Politiker, besser beschrieben vielleicht mit Aktionskünstler. Vor allem war er ein britisches Original. Als Musiker eigentlich kaum der Rede wert, brachte er Elemente des Horrorkultes in seinen eher hausbackenen Rock`n`Roll. Särge auf der Bühne, Blut und Gekreische, Songs mit Titeln wie "Jack the Ripper", er war ein Wegbereiter für Leute wie Alice Cooper oder Ozzy. Diese CD gibt ein Konzert wieder, zu dem er alte Freunde und prominente ehemalige Mitmusikanten (Ritchie Blackmore z.B. war bei Sutch "in die Lehre gegangen", bevor er zu Deep Purple stieß) eingeladen hatte. Was diese für einen Freundschaftsdienst-Jam hielten, ließ der (falsche) Lord mitschneiden und veröffentlichen, weil er sich bessere Verkäufe erhoffte, wenn er auf derart populäre Bandmitglieder verweisen konnte, so geht die Legende. Ob es so war oder nicht - diese Aufnahmen sind nur etwas für Leute, die wirklich alles von Blackmore oder einem der anderen im Regal haben müssen - und für Leute, die Kuriositäten sammeln. Es macht Spaß, aber es ist eine ziemlich schräge Sache. Rock`n`Roll-Standards, holprig, weil offensichtlich ungeprobt dargeboten in Partylaune. Man müsste dabei gewesen sein, im heimischen Wohnzimmer oder gar mit Kopfhörern ist das doch eher, ja, eben kurios. Der Mann, der sich Screaming Lord Sutch nannte, hat sich - schwer depressiv - nach dem Tod seiner Mutter das Leben genommen. Damit hat die Insel einen ihrer großen Exzentriker verloren - und wir alle einen schaurig-schönen Paradiesvogel.