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Der fünfte Band der Handelsblatt Management Bibliothek enthält weitere 50 Portraits der größten Manager und Unternehmer des 20. Jahrhunderts
Braucht man als Unternehmer Glück, um Erfolg zu haben? Der fünfte Band der Handelsblatt Management Bibliothek dürfte diese Frage eher verneinen. Er enthält weitere rund 50 Portraits der erfolgreichsten Manager und Unternehmer unserer Zeit. Die Spanne der porträtierten Personen reicht von Reinhard Mohn, dem Gründer des Medienkonzerns Bertelsmann, bis Jack Welch, der den amerikanischen Elektrokonzern General Electric zum umsatzstärksten Unternehmen der Welt machte. Ohne Zweifel war für den Erfolg der beschriebenen Unternehmer ein Quentchen Glück notwendig, doch wichtiger waren das Erkennen von attraktiven Marktchancen, ihr Gespür für die Bedürfnisse der Kunden und eine gewisse Hartnäckigkeit im Geschäft.
Viele Erfolgsgeschichten beginnen damit, dass ein Unternehmergeist das hohe Marktpotenzial eines neuen Produkts erkennt. So verkaufte David Rockefeller sein Landwarenhandelsgeschäft, um in die Ölindustrie einzusteigen. Hier witterte er viel größere Gewinne und sollte Recht behalten. Sein Weg führte ihn schließlich von einem Bürogehilfen mit einem Monatsgehalt von 25 US-Dollar zu einem Ölmagnaten mit einem Vermögen von 900 Millionen US-Dollar. Ein anders Beispiel ist John Patterson, der Ende des 19. Jahrhunderts in den USA die enorme Arbeitserleichterung durch Registrierkassen entdeckte. Er kaufte das Patent des Erfinders für einen Spottpreis und verbreitete die Erfindung in wenigen Jahren in den gesamten USA.
Weniger entscheidend für den Erfolg scheint der Managementstil des Unternehmers zu sein. Beispiele wie der Brasilianer Ricardo Semler zeigen, dass man auch mit unorthodoxen Führungs- und Organisationsprinzipien Erfolg haben kann. Semler strukturierte sein Unternehmen mehrmals um, bis die Mitarbeiter die Gehälter der Chefs festlegten. Dabei verfünffachte er Umsatz und Gewinn. Louis Mayer wiederum, der das Filmstudio MGM in den 30er Jahren zum wichtigsten Spieler der amerikanischen Filmindustrie machte, war nach Berichten seiner Arbeitskollegen ein rücksichtsloser, aufbrausender und tyrannischer Manager. Man kolportierte, fast ganz Hollywood habe an seinem Begräbnis teilgenommen, um sicher zu gehen, dass er wirklich tot sei. Beide Unternehmer waren trotz unterschiedlicher Managementstile sehr erfolgreich.
Häufig entwickelt das neue Geschäft eine Dynamik, mit der niemand gerechnet hat. So hätte Anita Roddik, die Gründerin von The Body Shop, wohl nicht im Traum daran gedacht, dass sie mal 1500 Franchisenehmer beschäftigen würde. Manchmal braucht es auch Zeit, bis das durchschlagende Produkt gefunden ist. Estée Lauder etwa erzielte ihren geschäftlichen Durchbruch mit dem Badeöl Youth Dew (Jugendtau). Eine Planung lag dem nicht zugrunde. Sony gelang der Durchbruch nach Reiskochern und verschiedenen anderen Elektrogeräten mit einem Mini-Transistorradio. Und Ted Turner, der Gründer von CNN, sagt von sich schlicht: Ich war der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.
Vielen großen Unternehmern wurde ihre Heimat schnell zu eng. Sie erkannten die großen Chancen in ausländischen Märkten. So begann Akio Morita, der Gründer von Sony, nach ersten Erfolgen in Japan rasch in die USA zu exportieren. Bald nahm er sogar seinen Wohnsitz dort, weil das Land für sein Unternehmen der attraktivste Markt war. Und Lord Thomson of Fleet Street baute zunächst ein Zeitungsimperium in Kanada auf, zog dann jedoch nach Großbritannien, um seine Geschäfte auszuweiten. Kanada war ihm zu klein geworden, zumal man ihm dort vorhielt, ein Monopol zu besitzen.
Doch auch den größten Managern gelang nicht alles: Die Einführung von New Coke durch den Coca Cola-Manager Roberto Goizueta geriet zum absoluten Flop. Jack Welch wiederum gelang es nicht, das Technologieunternehmen Honeywell-Bull zu übernehmen. Ein Platz unter den größten Wirtschaftsführern des 20. Jahrhunderts gebührt ihnen trotzdem.
Der fünfte Band der Handelsblatt-Management-Bibliothek zeichnet die Lebenswege der größten Wirtschaftsführer nach, kenntnisreich und mit analytischem Blick. Wer wissen will, was Menschen wie Reinhard Mohn, Ferdinand Piech und John Rockefeller auszeichnet und worauf sich ihr Erfolg gründet, ist mit diesem Werk bestens bedient.
(Handelsblatt/Campus)
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