Das gar nicht leicht erhältliche Buch stellt eine der zentralen Veröffentlichungen zum Thema "Händel" dar. Nachdem ich durch einen größeren Fonoforum-Artikel auf Händels Opernschaffen aufmerksam geworden bin, waren es die Bücher von Winton Dean, die mir den eigentlichen Zugang verschafft haben. Dabei ist an erster Stelle seine Monographie über Händel und die Opera Seria zu nennen (vergriffen, aber antiquarisch zu bezieh). Dann das vorliegende Werk und der erste Band aus der Reihe. Der Text ist allerdings überaus fordernd. Dean rapportiert nicht nur den Handlungsablauf der Opera, sondern ihre historische Aufführungsgeschichte mit wissenschaftlicher Akribie. Dem Stil der Barcockoper folgend, werden die Opern nicht in erster Linie in Akten analysiert, sondern die Helden und die ihnen zugedachten Arien vorgestellt. Das Urteil über den musikalischen Wert ist oftmals hart, manchmal auch zu hart. Im ersten Band wird etwa die Oper Floridante als ein rasch zusammengestelltes, flüchtiges Machwerk gekennzeichnet. Wer das Werk hört, ist aber von der hohen Qualität der Erfindung aber eher überrascht.
Dennoch schadet dies nicht; denn Dean fördert im Leser das kritische Vorverständnis für die Einordnung der Leistung Händel und erlaubt es, die Kunst der Opera Seria nach ihren eigenen Regeln zu verstehen. Wer also genau wissen will, wie Ezio oder Sosarme musikalisch einzuordnen sind, ist hier gerade richtig. Er hält sicherlich kein Buch in Händen, das er von Anfang bis Ende durchlesen könnte, aber ein Werk, das man stets zu Rate zieht, wenn man die Bekanntschaft mit der einen oder anderen dieser großartigen Opern wieder auffrischt.