Die erste Version des Pastor fido (1712), die trotz deutlich hörbarer kompositorischer Schwächen einige von Händels apartesten Arien enthält, war bislang ein Stiefkind der Phonobranche. Da nur die stark von der Urfassung abweichende Version von 1734 auf CD vorliegt, kommt der Ersteinspielung unter David Bates besondere Bedeutung zu.
Erstaunlich ist, dass Händel nach dem hoch inspirierten Feuerwerk des Rinaldo (1711) eine Oper folgen ließ, die auf instrumentale Klangpracht und starke Kontraste weitgehend verzichtete. Musikalisch gibt sich das nur sparsam instrumentierte Werk mit seinen vielen Continuo-Arien ausgesprochen spartanisch und konservativ, was die Zeitgenossen Händels auch mit Unwillen quittierten. Auf der Bühne dürfte es die verinnerlichte, kammermusikalische und in voller Länge etwas ermüdende Klangsprache der arkadischen Hirtenwelt daher auch sehr schwer haben, doch auf CD kann man die vielen Schönheiten der Partitur gut genießen. Der Händelkenner wird hier zahlreiche déjà-entendus aus den italienischen Jahren finden, die sich in mehr oder weniger starken Metamorphosen bis hin in die späte Londoner Zeit ziehen.
Leider hat David Bates in seinem jungen und bestens disponierten Team neben 3 sehr ähnlich timbrierten Sopranistinnen und einem Mezzo nur einen einzigen männlichen Alt (Clint v.d.Linde als Silvio), was etwas schade ist, da die Aufnahme dadurch deutlich weniger klangliche Kontraste bietet, als man sich gewünscht hätte. Allerdings sind die vokalen Kräfte vorzüglich, auch wenn sich der modulationsfähige, helle und schlanke Sopran von Anna Dennis in der Kastratenrolle des Mirtillo zu wenig von dem Timbre seiner Geliebten Amarilli (gesungen von Lucy Crowe) unterscheidet. Einen Kontrast hierzu bieten immerhin die etwas dramatischeren Stimmen von Madeleine Shaw in der Rolle der Dorinda und Katherine Manley als Eurilla, doch insgesamt ermüdet der Klangeindruck der vier dominanten Frauenstimmen auf Dauer. Angenehm ist, dass Bates jegliche in der jüngeren Alte-Musik-Szene üblichen Extreme (überdrehte Tempi, rockiges Lautencontinuo, exzessive Dynamik und Agogik) vermeidet und so dem Schäferdrama über Liebe Treue und Verrat Gelegenheit gibt, sich in Ruhe und Klangschönheit zu entfalten, was allerdings manchmal etwas auf Kosten der Spontaneität geht.
Insgesamt eine hervorragende Aufnahme, die jeder Händel-Fan unbedingt kaufen sollte, auch wenn das Werk nicht ganz zu Unrecht zu den rasch in Vergessenenheit geratenen Opern des Meisters gehört. Höchste Bewertungen außerdem für den wunderbaren Klang und das opulente Booklet, das neben einer umfangreichen Einführung das Libretto auch auf Deutsch enthält. In Zeiten magerer PDFs eine echte Wohltat!