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Die Ermittlungen führen Conde zu einem Schulleiter, der hinter vielen Worten etwas zu verbergen weiß: Sein Verhältnis zu der Ermordeten. Der Schulleiter bleibt nicht der einzige Verdächtige. Ein Gruppe von Schülern, die wilde Parties mit Lissette feierten und durch hervorragende Schulnoten glänzten, geraten ebenso in das Visier des Teniente, wie auch der Liebhaber der Ermordeten, ein Motorradfan mit dem Spitznamen Pupy. Doch wer hat die junge Frau ermordet und aus welchem Grund? Wie kam das Marihuana in die Wohnung der Toten und ist am Ende gar die Mafia am Werk?
Fragen, die Conde beantworten soll, obwohl ihm gerade gar nicht nach Detektivarbeit zumute ist. Denn der Frühlingssturm fegt nicht nur durch die Straßen Havannas, sondern auch durch Condes Seele. Er ist verliebt in die attraktive Karina, einer Jazzliebhaberin und Saxofonspielerin. Zögerlich kommen sich die beiden näher, erleben eine aufregende Nacht und am Ende wird Conde doch wieder von der enttäuschenden Realität eingeholt. Eine Liebesgeschichte also, die Leonardo Padura als weiches, manchmal auch sentimentales Gegenstück zur harten Krimihandlung einbaut.
Wie schon im ersten Band des „Havanna-Quartetts" spielt auch „Handel der Gefühle" im Jahre 1989, als Kuba den wohl größten Umbruch seit der Revolution erlebte. Padura dient der Kriminalfall als Einstieg, als roter Faden, durch den er eindrucksvoll, packend und lebendig von den Gegensätzen, den Rissen und den Veränderungen in der kubanischen Gesellschaft erzählen kann. Sein Teniente Conde hat als ermittelnder Polizist Einblick in die unterschiedlichen Schichten, die es im Sozialismus eigentlich nicht geben dürfte, die aber gerade in dieser Zeit des Umbruchs deutlich zu Tage treten. Conde kennt die Kleinkriminellen, die sich mit Prostitution, Devisenschmuggel oder Drogenhandel über Wasser halten. Er kennt aber auch die Parteikader, die sich ein Leben in Luxus leisten und schon längst die sozialistischen Ideale verraten haben.
Den wohl schärfsten Bruch entdeckt Conde aber zwischen den Generationen. Er selbst zählt sich noch zu der „verborgenen Generation", geprägt durch eine stramm sozialistische Erziehung. Eine Generation, die sich viel vorgenommen, aber nur wenig erreicht hat. Bei seinen Ermittlungen in der Schule trifft er auf Jugendliche, die einfach nur noch Leben wollen - keine Träume und keine Pläne haben und schon gar nicht an den Sozialismus glauben. Aus der verborgenen ist eine verlorene Generation geworden.
Dabei ist Paduras Conde selbst eine gespaltene Persönlichkeit: kantiger Macho, heißblütiger Liebhaber, begeisterter Baseballfan, rührender Freund, verkannter Literat und zielstrebiger Polizist - all dies zeichnet den Charakter von Mario Conde aus. So facettenreich wie sein Held ist auch Paduras Prosa, die zwischen derben Dialogen, stillen, inneren Monologen und eindringlichen, knappen Landschafts- und Personenbeschreibungen wechselt. Paduras Sprache schimmert und leuchtet, mal grell, mal gedämpft, immer passend und eindringlich.
Differenziert kommt Paduras Kritik am sozialistischen System Kubas daher. Er schreibt über das, was falsch läuft, über Brüche, Gegensätze und Enttäuschungen, die schlimmstenfalls zum Mord führen. Das sind nicht nur gute Voraussetzungen für einen fesselnden Krimi, es ermöglicht ihm auch einen literarischen Realismus, der nicht nur zwischen den Zeilen auf Missstände aufmerksam macht. Padura erzählt einfach, bildet kunstvoll ein Stück Alltag ab, zeigt Menschen in ihre alltäglichen Not und dürfte somit für das Castro-Regime unbequemer sein, als so mancher Kritiker, der im fernen Westen über die Zukunft Kubas schwadroniert. Für romantische Verklärung des Gesellschaftssystems oder der Inselidylle Kubas ist bei Padura kein Platz. Er ist ein Skeptiker, dessen schärfste Waffe die Sprache ist.
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