Eine der aktuellen Elogen:
"Mit wunderbar klarem und präzisem Anschlag, einer in den schnellen Sätzen manchmal geradezu elektrisierenden, swingenden Phrasierungskunst, mit klug disponierten Registerwechseln und geistvoller, quasi improvisatorischer Ausleuchtung Händel'scher Abbreviaturen (akkordische Notation der Arpeggien, Wiederholungsschemata, Verzierungsebene) schöpft sie die Potentiale des modernen Flügels aus und bläst den Staub aus allen Fugen." so Helmut Rohm.
Andere Klassikfreunde bezeichnen diese Aufnahme als " erste Wahl".
Nun ist die Konkurrenz nicht so gross.
Eine Gesamtaufnahme gibt es gar nicht.
Die meisten Suiten haben Richter und Gavrilov vor längerer Zeit eingespielt, einzelne Werke Perahia oder Schiff.
Sie selbst sah diese Aufgabe als " heikel" an: "Weil es so schwer ist, die musikalischen Besonderheiten der barocken Musizierweise auf ein modernes Instrument zu übertragen. Ich kann nicht versuchen, das Cembalo zu kopieren, dann werde ich dem heutigen Flügel nicht gerecht. Ich kann aber auch nicht den Händel der Barockzeit komplett in unsere heutige Zeit übertragen und eine hochromantische Fassung spielen, dann werde ich der Musik nicht gerecht. Es ist also eine Gratwanderung zwischen den Stilen, an der ich gerade intensiv arbeite. Vielleicht auch in Fortsetzung meiner Beschäftigung mit der Musik Haydns, für die ich mich ja auch auf die Suche begeben habe, um eine für mich persönlich stimmige stilistische Mischung zwischen alt und neu zu finden."
Die Gratwanderung ist ihr gelungen.
"Pianistisch ist es absolut erstklassig, was sie da macht. Es ist nämlich unglaublich schwer, diese Leichtigkeit, das Tänzerrische, diese ausgefeilte Artikulation und nicht zuletzt die Ornamente auf einem Flügel so geschmackvoll darzustellen, wie sie das hier tut.
Die Triller gehen z.B. auf einem guten Cembalo leichter. Da der Flügel im Gegensatz zum Cembalo anschlagsdynamisch ist, setzt man sich bei solchen Ornamenten viel eher der Gefahr aus, das Einzeltöne ungewollt herausknallen.Toll finde ich auch ihre geschmackvolle, zurückhaltende Pedalisierung. Eine Triller braucht z.B. etwas Pedal, weil der auf dem Flügel durch den weicheren Klang nicht den Glanz entfalten kann, wie auf dem Cembalo. Durch das Pedal klingt es dann -für mich jedenfalls- angenehmer. Gould würde widersprechen." meint der Klassikfreund " Glockenton.
Ich finde die Interpretation sehr differenziert. Wenn ich sie mit der früheren Aufnahme von Richter und Gavrilov vergleiche, bemüht sich Ragna Schirmer mehr darum, mittels eines modernen Klavier nicht vergessen zu machen, dass die Stücke für Cembalo geschrieben waren. Arpeggien zB werden pedaluntstützt so ausgeführt, dass man hören könnte, hier braust ein voller Cembaloklang.
Ragna Schirmer hat eine Referenzaufnahme dieser Werke vorgelegt.
Auch wenn einzelne dieser Aufnahme eine gewisse Betulichkeit entgegenhalten,Jürgen Otten zum Beispiel, ist die überwiegende Auffassung, hier sei eine besondere Aufnahme gelungen.
Man möge sein eigenes Urteil bilden.