Zunächst einmal das Positive: Diese Aufnahme wird mal nicht von Curtis dirigiert, sodass durchaus deutlich Dramatik anzutreffen ist. Bereits die fetzige Ouvertüre macht deutlich, dass man hier nicht eingeschläfert wird: flott, akzentuiert und sehr transparent.
Ein Problem ist für mich allerdings die Besetzung der Oper, die ich - im Gegensatz zu meinem Vorrezensenten - deutlich kritischer betrachte. Zunächst gibt es vier (!) Countertenöre (und nicht Sopranisten, wie oben fälschlich behauptet wird), mit denen ich ja bekanntlich meine Schwierigkeiten habe. Unter anderem kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen (und ich habe mir wirklich Mühe gegeben), was man an Cencic finden kann. Er klingt für mich einfach nur quäkig-leiernd - im Gegensatz übrigens zu seinem französischen Kollegen Jaroussky, der meines Erachtens um LÄNGEN virtuoser und vor allem wesentlich klangschöner ist, aber leider nur die kleinere Partie singen darf. Selbst Sabata finde ich besser, er setzt wenigstens sehr effektvoll sein Brustregister ein und gewinnt dadurch im Gegensatz zu Cencic ein gewisses dramatisches Profil.
Auch Sophie Karthäuser wird ihrer Primadonnen-Rolle nicht wirklich gerecht. Gerade in den schnellen Arien wird deutlich, dass sie nicht das Niveau erreicht, wie es heutzutage auf einer Neuveröffentlichung eigentlich erforderlich gewesen wäre. Hier lohnt mal ein direkter Vergleich: Die fantastische Bravour-Arie "Combattuta da due venti" findet sich auch auf dem Recital "Opera Seria" von Sandrine Piau - und hier kann selbst der Laie deutliche Qualitätsunterschiede zu Karthäuser feststellen - Piau ist einfach eine Klasse besser (und was wohl eine Kermes hier herausgeholt hätte?).
Erfreulich hingegen sind der Bass Sim und die Mezzosopranistin de Liso (tolle Tiefe!), die beide den Ansprüchen ihrer Partien voll gerecht werden.
Fazit: Ein gutes Dirigat, aber eine fragwürdige Sängerbesetzung, die aber Fans von Countertenören sicherlich entgegenkommen wird. Insgesamt ist "Faramondo" aber sicherlich dem sterbenslangweiligen "Ezio" unter Curtis vorzuziehen, obwohl dieser zweifelsfrei über die besseren Sänger verfügt.
Trotzdem: Es wird zu viel Händel im Mittelmaß "produziert". Leute, nehmt euch bitte etwas mehr Zeit, sucht euch die besten Sänger zusammen und macht statt vier Opern-Produktionen ("Alcina", "Ezio", "Rodrigo", "Faramondo") lieber eine richtig gute. Eine Produktion wie die Minkowski-Ariodante ist wohl heute nicht mehr möglich...
By the way: Mit dem Kauf dieser Aufnahme würde ich getrost noch etwas warten, bei Virgin purzeln die Preise in der Regel recht schnell...