Eine bessere Besetzung der beiden Partien Alcina-Ruggiero hätte man gar nicht finden können: die Händel-Diva Joyce DiDonato und die verehrungswürdige Maite Beaumont. Das ganze Ensemble ist zu loben, Vito Priante, Laura Cherici, Sonia Prina, Kobie van Rensburg, Karin Gauvin. Ich bin ebenfalls ein Bewunderer von Alan Curtis, der mit seiner umsichtigen und klassisch-zurückhaltenden Interpretation der Rolle des Gesangs den gebührenden Stellenwert verleiht und die Orchestrierung nie überbewertet.
Wer allerdings glaubt, die ARCHIV Produktion würde eine solche Hausmacht an Musikgrößen mit der nötigen Aufmerksamkeit und technischen Sorgfalt begleiten, der sieht sich erneut enttäuscht.
Die nachlässige technische Umsetzung bei der Aufnahme von Spitzenensembles durch die ARCHIV ist seit Jahren zu beobachten. Es ist letztlich nicht zu begreifen, warum ein Label mit diesen Ambitionen sich derart unter Wert verkauft. In dreißig Jahren wird man vermutlich versuchen, diese bereits heute unzulänglichen ("historischen") Aufnahmen erneut zu vermarkten. Freilich, das ist sehr schade, aber ich sehe auch nicht, wie man als Kunde auf die Produktqualität Einfluß nehmen könnte. Nicht kaufen, auf dass der Bessere sich marktbereinigend durchsetzen möge? So einfach ist es vermutlich nicht, der Graben zwischen den Labels, die auf Qualität setzen, und Labels wie der ARCHIV, die nur auf ihre Marktposition bedacht sind, hat sich mehr und mehr vertieft. Ich begnüge mich einstweil damit mir vorzustellen, wie wundervoll diese Sänger und Händels Musik in Wirklichkeit sind. Diese Aufnahme vermittelt uns davon allenfalls eine Ahnung.