Voller Spannung habe ich auf ein deutsches Buch zu den Grand Jeu der Mlle. Lenormand gewartet. Nach der Vorankündigung des Verlages, eine Lücke schließen zu wollen, war die Erwartungshaltung groß und wurde dann in einigen Abschnitten doch enttäuscht.
Das Buch selbst ist sehr schön aufgemacht, jede Karte wird einzelnd erläutert, es folgen Zusammenfassungen in tabellarischer Übersicht.
Aufgrund meiner Recherchen im Nachbarland Frankreich, woher die Originalkarten stammen, musste ich aber auch feststellen, dass einige Fehler unterlaufen sind. So ist die Zeitberechnung nicht stimmig, lag es zu damaliger Zeit auch fern, Einwochenvoraussagen zu erstellen. Auch die Interpretation der Buchstaben geht nicht konform mit den Kartenabbildungen.
Schön ist, dass die Talisman-Abbildungen Erwähnung gefunden haben, auch wenn die dort preisgegebenen Informationen viel zu kurz und oberflächlich sind, denn wer sich ein wenig mit der Astrologie beschäftigt, wird erkennen, dass die Symbole nicht in üblicher Form wiedergegeben wurden, sondern mit Abweichungen, die aber maßgeblich sind für die Interpretation.
Die Unterteilung der Themenbereiche innerhalb des Kartendecks ist ein wichtiger Hinweis. Doch muss der Leser auch wissen, dass diese Unterteilung nicht ohne Grund stattgefunden hat, nicht jede Karte zuständig ist für jedes Thema. So wird auf S. 274 anhand eines Beispiels die Frage erörtert, ob man befördert wird innerhalb des nächsten viertel Jahres. Hier fehlt der klare Hinweis, dass es nur dann zu einer Beförderung respk. Veränderung kommt, wenn auch eine Karte der zugeordneten Thematik, nämlich aus der Reihe um das Goldene Vlies (wobei hier die Karte Kreuz 9 bei der Aufzählung auf S. 55 fehlt), in die gezogenen oder ausgelegten Karten fällt. Ist dieses nicht der Fall, muss die Frage von vornherein mit Nein beantwortet werden, ganz egal wie viele Glückskarten o.ä. folgen. Das ist ein wichtiger Aspekt, der leider übersehen wurde.
Fehlend für mich sind die Charakterisierungen der einzelnen Karten, die wichtige Hinweise liefern auf die Eigenschaften der um Rat ersuchenden Personen oder auf Personen, die für einen Kunden wichtig sein können, wobei es auch nicht nur die Dame und der Herr sind, die hier die Personenkarten repräsentieren, sondern auch über weitere Karten Personen dargestellt werden.
Insgesamt ist dieses Buch sicherlich gut aufgebaut, wenn auch fehlerhaft, mal im Detail, mal in wichtigen Aspekten; wenn es in der zweiten Auflage nachgebessert wird, hält der Leser mit diesem Werk sicherlich ein umfangreiches Informationspaket in den Händen, welches es zu kaufen und lesen lohnt.
F. H.