Das Büchlein umfasst gut 120 Seiten. Die Buchstaben haben nahezu Großdruckcharakter, der Druck ist anderthalbzeilig, die Ränder mehr als großzügig und leere/linierte Seiten für eigene Notizen gibt es auch noch. Was bleibt unter dem Strich? - Nichts.
"Was in anderen Ländern wie England, Schweiz oder Schweden schon seit Jahren erfolgreich praktiziert wird, steckt in Deutschland noch immer in den Kinderschuhen (...)". Aha, und woher kommt diese Weisheit?
"Die Personalvermittler, wie der Name schon ausdrückt, vermitteln geeignetes Personal an Unternehmen". Ich enthalte mich eines Kommentars.
Spannend wird es beim Thema "(...) und Kostensenkung", denn da heißt es auf Seite 25: "Kosten in Höhe eines Jahresgehaltes des Mitarbeiters gelten hierbei häufig als normal und tolerierbar. Je nach hierarchischer Einstufung des Mitarbeiters können diese Kosten jedoch dramatisch höher liegen".
Wenn ich solche Rechnungen stellen wollte, könnte ich meine Firma zumachen. Vielleicht werden ganz oben, in der absoluten Spitze der Pyramide, oder in sehr besonderen Bereichen, wo Fachkräfte aufgrund einer besonderen Spezialisierung absolut nicht zu haben sind, solche Honorare gezahlt. Mir selbst ist weder im Verlaufe vieler Jahren als Führungskraft und Personaler noch als Personalberater eine solche Praxis bekannt geworden.
Noch ein Beispiel: Auf Seite 33 heisst es zu "Übersicht der Bewerbungsarten": "Unternehmen wünschen in der Regel zwei Basisformen der Bewerbung, die hier kurz vorgestellt werden sollen. Man findet häufig die Formulierung aussagefähige oder auch komplette Bewerbungsunterlagen oder alternativ Kurzbewerbung. Beide können je nach Anforderung des Unternehmens auf postalischem Weg oder via Email eingereicht werden". (Schreibung vom Original übernommen). Ich muss mich wiederholen: Kein Kommentar.
Abgerundet wird das Werk durch "Geheimen Zeugniscodes", die schon tausendfach in div. Medien abgedruckt wurden. Das Unsägliche daran: Weder sind sie mir noch vielen anderen Personalern, mit denen ich über die Jahre das Thema Zeugnissprache diskutiert habe, jemals tatsächlich in einem Zeugnis begegnet.
Das Beste zum Schluss, denn bei den "Qualitätsstandards für private Personal- und Arbeitsvermittlung" werden persönliche Voraussetzungen aufgeführt wie "Zuverlässigkeit, keine einschlägigen Vorstrafen und Gewerbeuntersagungen, geordnete Vermögensverhältnisse, Gewerbeanmeldung,(...)". Was soll man mit solchen Aussagen anfangen? Das gleiche wie mit dem ganzen Buch: In die Tonne treten.
Ein Buch, das die Welt, auch die der Personalvermittler, nicht braucht. Schade, dass man keine Minus-Sterne vergeben kann.