Tuschespuren - Spuren Schwarz auf Weiß
Katharina Shepherd, die jahrelang in Japan lebte und bei namhaften Meistern Zen und Tuschmalerei übte, hat zwei inspirierende Bücher über den Tuscheweg Sumi-e geschrieben, beide anschaulich bebildert, erschienen bei Theseus. Sie ist vertraut mit der Materie, es ist Teil ihres Lebens, das spürt man mit jedem Wort. Zen in der Kunst der Tuschmalerei" verdeutlicht den Zusammenhang zwischen dem Zen-Geist und dem Tuscheweg. Es geht der Frage nach, inwiefern sich Sumi-e einreiht in die traditionellen Zen-Künste wie der Haiku-Dichtung, dem Teeweg, Raku ... Das Handbuch der fernöstlichen Tuschmalerei" gibt v.a. praktische und sehr verständliche Anleitungen für alle, die den Pinsel selbst in die Hand nehmen wollen. Und das wollte ich nach der Lektüre dieser beiden Bücher unbedingt! Bei meinen ersten Versuchen habe ich recht schnell bemerkt, dass das richtige Material ausschlaggebend für das Ergebnis ist, ebenso die geeignete Umgebung. Da mich zudem die Verbindung von Spiritualität und Kreativität seit langem fasziniert, habe ich mich kurzentschlossen zu einem Seminar bei Katharina Shepherd angemeldet. Kann ein Buch mehr erreichen, als uns zum Handeln zu motivieren? So konnte ich unter der einfühlsamen Leitung von Katharina meine ersten Erfahrungen sammeln und bald erkennen, dass der Geisteszustand von Absichtslosigkeit und Nicht-Tun da sichtbar wird, wo mit Gelassenheit, Hingabe und Selbstvergessenheit Tuschespuren entstehen. Gedanken lösen sich auf in tiefer Stille und konzentrierter Aufmerksamkeit. Jeder Pinselstrich ist ein schonungsloser Spiegel meines momentanen Geisteszustands, aber auch der fehlenden Technik, denn die braucht es bei Sumi-e: bin ich in der Mitte, achtsam und gelassen gleichzeitig, bin ich zu langsam, zögernd, bedächtig oder zu schnell, automatisch, ungeduldig - sofort präsentiert sich das Resultat Schwarz auf Weiß, nicht korrigierbar. So wie im Leben auch: das, was geschehen ist, kann nicht wieder rückgängig gemacht werden, keine Entfernungstaste löscht einen verpatzten Pinselstrich vom Blatt. Der Tuscheweg macht ehrlich! Für mich ist dieser Tuscheweg aktive Meditation, hier drückt sich der Zen-Geist auf kreative Weise aus, im Tun. Ich erkenne, dass die schöpferische Kraft aus der Stille kommt, jenseits von Wollen und Urteilen.
das ist sicher keine übliche Rezension, aber die Praxis sagt eben mehr aus als tausend Worte- das erfährt man beim Tuschemalen. Dieses Buch ist eine prima Motivationsquelle, sehr zu empfehlen!