„Tja, wo war er zu Hause? Vladimir musste tatsächlich einen Augenblick überlegen." Denn Vladimir Girshkin, der Romanheld des „Handbuch eines russischen Debüttanten" von Gary Shteyngart ist, wie der Autor, als Sohn mehrerer Welten nirgendwo richtig zu Hause. In Leningrad aufgewachsen, als Junge mit seiner Familie jüdischer Herkunft nach New York ausgewandert, sucht er vergeblich seine Identität zwischen Osten und Westen, Kommunismus und Kapitalismus, christlicher und jüdischer Religion.
So landet der Fünfundzwanzigjährige nach seinem Studium erst einmal auf einem Job beim „Emma-Lazarus Verein zur Förderung der Immigrantenintegration". Dort lernt er Mr. Rybakow und seinen besten Freund, den Ventilator, kennen. Der Psychiotiker wird zur Schlüsselfigur eines ganzen Panoptikums skurriler Personen: von Challa, einer prallen Vorstadtdomina mit knallorangenen Haaren und Francisca, der verkorksten Tochter der reichen Ruoccos über den schwulen Katalanen bis hin zum „Murmeltier", dem im russischen Prawa als Mafiaboss agierenden Sohn Mr. Rybakows.
Hier nämlich verdingt sich Vladimir, als er vor finanziellen Problemen in die stolowakische Stadt flüchtet, um dort, quasi als Doppelagent, den amerikanischen Touristen systematisch das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein höchst amüsanter Revolverroman, der mit viel Selbstironie die zwei Welten in einer gelungenen literarischen Groteske porträtiert. Intelligent, witzig und mit viel Talent für szenische Komik geschrieben.