In diesem Handbuch finden wir die Ergebnisse der Stiftung Warentest, die kürzlich 1500 frei verkäufliche Medikamente von Experten untersuchen ließ. Eine gute Idee, wie ich finde, denn immerhin blättern wir in unserem Land jährlich schlappe 4,3 Milliarden kostbare Euro für rezeptfreie Arzneien über die Apothekentische. Das Buch macht nun deutlich, was man bisher nur vermuten konnte: 40% dieser stattlichen Summe gehen für „wenig geeignete" Medizin den Bach runter, d.h. sie wirkt im günstigsten Fall nicht, im schlechtesten Fall führt sie zum Tode. Kein Wunder, dass einige Pharmafirmen den Ergebnissen widersprechen.
Ich hingegen bin selber Arzt und kann in den meisten Fällen die Ergebnisse nur bestätigen, würde sie aber in manchen Punkten noch etwas krasser darstellen. Zum Beispiel beim Thema Acetylsalicylsäure (=ASS, Thomapyrin, Aspirin etc.), einem Medikament, welches einer heutigen Zulassungsprüfung nie und nimmer standhalten würde. Der Skandal um Lipobay wirkt dagegen wie eine kleine Lappalie, denn ungezählt sind die ASS-Toten, die akut am Magenbluten versterben oder langfristig schwere Nierenprobleme bekommen. In diesem Zusammenhang sind Schmerzmittelkombinationen mit Koffein, was süchtig macht, besonders kritisch zu bewerten. Und Vorsicht auch bei Paracetamol: Kinder vertragen nur sehr wenig davon. Endlich wird auch mit Wirksamkeits-Mythen wie WICKMediNait, Frubienzym, Doppelherz, Ginseng, Venenmittel, Mittel gegen das Altern oder gar den Potenzmitteln Potenzholz oder Yohimbin aufgeräumt.
Und nun zu den erfreulichen Dingen in der Apotheke: Fast alle Mittel zur Nikotinentwöhnung sind „geeignet" und werden zur Unterstützung empfohlen (Wirkquote aber trotzdem <50% - der Wille entscheidet!). Ebenso erhielten Mittel gegen Fieber und Kopfschmerzen, gegen Sodbrennen und Insektenstiche gute Bewertungen. Darüber hinaus finden wir Preisvergleichslisten, wo die Verbraucher erfahren, welche Präparate mit gleichen Wirkstoffen am billigsten sind.
Das Buch ist aber auch als kleiner Gesundheitsratgeber zu verstehen und zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der Behandlung ohne den Arzt auf. Es beantwortet zuverlässig Fragen, die sich jeder vor einer Selbstbehandlung mit Medikamenten stellen sollte:
Wie sind die Symptome einzuschätzen?
Kann man die Beschwerden gefahrlos selbst behandeln?
Wie findet man das individuell am besten geeignete Mittel?
Ist es auch für Kinder oder während Schwangerschaft und Stillzeit unbedenklich?
Insgesamt ist das Handbuch Selbstmedikation als sehr hilfreich zu bewerten und gehört griffbereit neben die Hausapotheke. Und bei weiteren Problemen oder bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt.