Das Handbuch der Psychomotorik ist ein aktuelles, aufklärendes und umfassendes Werk für all diejenigen, bei denen Unklarheit über die Begrifflichkeit an sich als auch darüber herrscht, wie innerhalb dieser Disziplin verfahren wird. Die Autorin stellt zunächst nachvollziehbar die Entstehungsgeschichte der Psychomotorik vor und grenzt diese von anderen verwandten sowie teilweise in einander greifenden Konzepten mit ihren Gründern und Verfechtern ab und geht auf die Gemeinsamkeiten ein, um schließlich ihren eigenen Ansatz vorzustellen. Zimmer selbst nennt ihr Vorgehen "kindzentrierte Psychomotorik". Der ganzheitliche Gedanke, der dem zugrunde liegt, ist die gegenseitige Bedingtheit von einem positiven Selbstwertkonzept der Kinder und notwendigen Körper- und Bewegungserfahrungen. Im Rahmen des Buches findet in kurzer Form eine Auseinandersetzung mit den Begriffen Selbstkonzept und Identität statt, wobei die Selbstwahrnehmung des Kindes und die Gefahren einer negativen Einflußnahme generell und eben dem gegenüber die Chance der positiven kindgerechten Interventions- und Präventionsmöglichkeit durch psychomotorische Entwicklungsförderung herausgestellt werden. Einen weiteren Schwerpunkt legt die Autorin auf die Diagnose in der psychomotrischen Entwicklungsförderung. Psychomotorische Diagnostik sollte nach Zimmer weniger eine am Defizit orientierte Diagnostik, der sogenannten "Merkmals- und Statusdiagnostik" sein als vielmehr eine "Förderdiagnostik", die die Persönlichkeit jedes einzelnen Kindes erfaßt, um mit dessen Potentialen arbeiten zu können. Verschiedene Diagnoseverfahren werden vorgestellt und ein praktischer Bezug gegeben. Darüber hinaus werden die Rahmenbedingungen für die praktische Umsetzung angeführt. Neben allgemeinen Prinzipien, wie etwa der Notwendigkeit der Grenzziehung für Kinder, werden Aussagen und Anregungen, zu der möglichen Gestaltung einer Psychomotorikstunde, dem Material und der notwendigen Umgebung sowie der Leitung dieser Stunden gemacht. Verdeutlicht wird dies durch anschauliche Beispielstunden aus der praktischen Arbeit der Autorin. Das Handbuch ist sowohl für auf dem Gebiet Praktizierende geeignet, als auch für interessierte Eltern, Lehrer, Pädagogen etc. und eignet sich darüber hinaus, um eigene Einstellungen zu überprüfen und neue Wege zu finden, um Kinder stark für das Leben zu machen. Ein sehr gelungenen Buch, weil es in klarer Denkweise geschrieben ist und die Kinder in den Mittelpunkt der Bemühungen stellt.