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Sehr viel ausdifferenzierter als bei früheren Sammelwerken zur populären Kultur werden hier die Stichworte eingeteilt, und fast jeder Artikel ist ungewöhnlich gut fundiert. Beispielnennungen müssen für einen Überblick genügen: Unter "Konzepten" finden sich u.a. die Stichworte Alltagskultur, Erlebniskultur, Massenkultur und Volkskultur. Die größte Gruppe der "Grundbegriffe" umfasst u.a. Action, Ästhetik und Moral, Kitsch, Kult, Gender, Gewalt, Heimat, Spiel, Theatralität, Zensur. Die Rubrik "Orte" tangiert u.a. Kabarett, Museum, Stadion, Volksfest und Zirkus. Bei den "Medien" finden sich u.a. Fotografie, Video, Zeitung, Flugblatt, Plakat und Radio. Unter "Geräten" werden u.a. Computer, Flipper, Musikbox und Walkman behandelt. "Distributionswege" meint u.a. Buchgemeinschaft, Leihbibliothek und Videothek. "Sparten" impiziert u.a. Musik, Sport und Werbung. Unter "Rezeptions- und Funktionsfiguren" sind u.a. Fan, Moderator, Publikum und Sammler rubriziert. "Medien- und Genrefiguren" meinen u.a. Androide, Diva, Held, Räuber, Pirat und Virtuose. "Erzählweisen" schließlich bezieht sich u.a. auf Bilderbuch, Graffiti, Panorama, Serie und Videospiel.
Wollte man einzelne, besonders ergiebige und gelungene Beiträge herausgreifen, so käme man in Schwierigkeiten - es gibt einfach zu viele davon. Einen stichwortspezifischen Vergleich mit anderen Handbüchern und Lexika würden die meisten mit Bravour bestehen. Vieles kennt man zwar im Prinzip schon aus vorliegenden Publikationen, manche Autorennamen sind ja auf bestimmte Themen auch abonniert. Aber die Ausrichtung jeweils auf das Populäre ist markant und konsequent durchgehalten, so daß die zahlreichen Querverweise im Handbuch vom interessierten Leser auch gewinnbringend genutzt werden können.
Zur Vielfalt gehört sicher auch das Redaktionsprinzip, daß die allermeisten Beiträger nur mit je einem Artikel vertreten sind, so daß eine große Bandbreite an Perspektiven und Akzenten vorgelegt werden kann. Ein gutes Beispiel für die Vielfalt in der Darstellung, die gleichwohl prägnant vorgetragen wird, bietet die Kategorie des "Populären". Sie wird zunächst übergreifend in der Einführung vorgestellt (Hans-Otto Hügel), wobei auf Probleme der Forschung, die Geschichtlichkeit, die Cultural Studies, verschiedene Konzepte und die Schlüsselkategorie Unterhaltung hingewiesen wird. Die Konzepte selbst werden sodann von unterschiedlichen Beiträgern ausdifferenziert - z.B. Erlebniskultur (Rainer Winter), Jugendkultur (Kaspar Maase), Kulturindustrie (Udo Göttlich), Subkultur (Ulf Wuggenig) oder Volkskultur (Silke Göttsch). Ergänzend werden Akzente gesetzt unter den Stichworten "Populär" (Hügel) und "Popularisierung (Winter). Wiederholungen gibt es hier fast gar nicht, wohl aber Überlappungen, Parallelen, anregende Anschlußstellen.
Natürlich bleiben auch bei diesem Handbuch Wünsche offen: Zu einem Thema wie "Bestseller" beispielsweise hätte man sich ein eigenes Stichwort gewünscht, auch zum Thema "Pornografie" - einer der wichtigsten Bereiche dere populären Kultur, in allen Medien vertreten und zumeist schamvoll ausgespart (das Stichwort "Sex" bietet da nicht wirklich Ersatz). Andere Stichworte gehören der Sache nach eigentlich eng zusammen, z.B. "Fan" und "Star" oder "Kolportagebuchhandel" und "Sortimentsbuchhandel". Die historische Dimension der populären Kultur und ihre Medien, etwa in Antike und Mittelalter, sind vollständig ausgespart, so als hätte es früher keine populäre Kultur gegeben. Oder viele Stichworte werden gleichrangig behandelt, obwohl sie doch markant abgestufte Relevanz haben. Natürlich könnte man auch herummäkeln: Im Artikel "Star" wird nur der Filmstar behandelt, so als gäbe es keine Rock- und Popstars, Fernsehstars, Sportlerstars usw. Das "Romanheft" rangiert unter "Erzählweisen", der "Film" unter "Sparte", nur das "Fernsehen" darf als Medium gelten. Die Konfrontation von "E- und U-Kultur" klammert den deutschsprachigen kulturellen Raum weitgehend aus. Bei "popular culture" sind die zahlreichen amerikanischen Beiträge nicht angemessen vertreten. Oder das Stichwort "Medien" erscheint eher problematisch, zumindest hätte man sich mehr Bezugnahme auf "Medienkultur" gewünscht. Aber solche Kritik fällt bei der Gesamtbeurteilung nicht wirklich ins Gewicht.
Prof. Dr. Werner Faulstich, Universität Lüneburg
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