Die Herausgeber haben das als exemplarisch und nicht enzyklopädisch verstandene Handbuch Politikberatung aufgrund eines Komplexitätszuwachses an gesellschaftlichen Problemen erstellt, der die Problemlösungsfähigkeit von Staat und Gesellschaft herausfordert. Ursache-Wirkungsbeziehungen werden nicht mehr wie beispielsweise in den 1960er und 1970er Jahren als eindeutig wahrgenommen. Damit haben sich die Spektren an Beratungsanbietern und Beratungsformen stark verbreitert: Politisch relevantes Wissen wird nicht mehr nur an Universitäten, sondern auch beispielsweise in praxisorientierten Forschungszentren, Regierungsbehörden, industriellen Forschungseinrichtungen, Think Tanks und kommerziellen Beratungsbüros erzeugt. Zudem wird immer weniger fachdisziplinisch abgrenzbares Wissen nachgefragt, sondern transdisziplinär erarbeitete Lösungen für spezifische Anwendungskontexte gesucht, und zwar verstärkt für Prozessoptimierungen.
Im ersten Teil des Buches werden theoretische Grundlagen und Zugangsweisen zum Thema Politikberatung besprochen. Hier wird das Verhältnis zwischen den beiden Systemen Wissenschaft und Politik diskutiert sowie die Politikberatung aus Sicht unterschiedlicher Wissenschaftsdisziplinen beleuchtet. Im zweiten Teil werden Ressourcen und Akteure der Politikberatung in Deutschland vorgestellt. Es wird ein breites Spektrum von Strukturen abgedeckt, von Expertenkommissionen der Bundesregierung über Verbände und Stiftungen bis zu Unternehmensberatungen und Lobbyisten. Teil 3 fokussiert auf der Analyse von Politikberatungsprozessen auf verschiedenen Handlungsebenen und in ausgewählten Politikfeldern. Im vierten Teil wird auf Strukturen der Politikberatung in den USA, in Österreich, Frankreich und Großbritannien eingegangen.
In den Beiträgen werden neben Akteuren und Inhalten auch die Form der Interaktion zwischen Beratenden und Beratenen beleuchtet. Die Beiträge orientieren sich grob an einer Systematisierung der Politikberatung nach den drei Ebenen Inhalt (Politikinhalte in unterschiedlichen Politikfeldern), Prozess (kommunikativ-strategische Beratung) und Form (betrifft die institutionelle Gestaltung von Gemeinwesen).
Der Anspruch der Herausgeber, Theorie und Praxis der Politikberatung speziell in Deutschland differenziert darzustellen, wird erfüllt. Da das Feld der Politikberatung sich dynamisch entwickelt, wäre eine regelmäßige Überarbeitung und Aktualisierung des Handbuchs wünschenswert. Profitieren könnten kommende Ausgaben von einer stärkeren Veranschaulichung von Strukturen und Prozessen durch schematische Darstellungen in Abbildungen und Übersichten.