Liebe macht blind!, so lautet eine Binsenweisheit. Dass es angenehme Ausnahmen gibt, beweist das Handbuch überzeugend. Die Autoren verbinden eine schonungslose wissenschaftliche Analyse mit einem liebevollen Blick auf die Bewohner des Landes - ein Spagat, der nicht jedem gelingt. Das Alltagsleben ist die Hauptperspektive, welche einer Herangehensweise entgegensteht, die "...allzu oft als "neutral" und "wissenschaftlich" gilt - tatsächlich aber die Wirklichkeit des Landes oft weit verfehlt, weil sie bloß die Fragestellungen westlich geprägter Entwicklungstheorien reproduziert..." Das Buch befasst sich in zahlreichen Beiträgen mit zentralen gesellschaftlichen Problemfeldern des aus 7.107 Inseln bestehenden Archipels der Philippinen und gibt Aufschluss über Geschichte und Gegenwart, Land und Leute, Politik und Wirtschaft, Kultur und Religion. Die Verfasser machen auf ein Paradox nicht nur der Philippinen aufmerksam: trotz einer sehr starken Zivilgesellschaft (ca. 290.000 NGOs) nebst einem starken Einfluss der katholischen Kirche, bleibt das Land eine "Demokratie" für gerade 134 Familien (meistens Landbesitzer), welche die Politik und die Verteilung von Ressourcen bestimmen. Die Zivilgesellschaft konnte bisher an dem dynastischen Unwesen, welches Armut und soziale Ungleichheit zusätzlich steigert, wenig ändern: 40% aller Politiker und 60% der Mitglieder im Repräsentantenhaus stammen aus Familien, deren Eltern oder Großeltern schon Ämter hatten bzw. noch haben. Ließe man das Wort "Philippinen" aus, könnte das Handbuch als eins vieler Länder der Dritten Welt gelesen werden, so präzise umschreibt es am Beispiel dieses Landes die Problematik des globalen Südens. Daher sei es nicht nur Philippinenbegeisterten, sondern auch allen an der Entwicklungsproblematik Interessierten wärmstens zu empfehlen und ans Herz zu legen.