Der Autor teilt Pferde in Urtypen ein, die sicher von historischem, aber weniger von reiterlichem Interesse sind. Welche unterschiedlichen Typen entstanden und wie diese Typen sich auf das Aussehen und den Charakter heutiger Rassen auswirkt wird hier in epischer Breite erläutert.
Sehr gut sind in diesem Buch zweifelsohne die Unmengen an (manchmal etwas kleinen) Fotos von bekannten Hengsten und bedeutungsvollen Exemplaren ALLER Rassen, die es sicher zu einem interessanten Bilderbuch der Pferderassen machen.
Das Buch hält aber letztlich nicht was es verspricht, denn der Klappentext verspricht dem Reiter und Züchter zu helfen ein Pferd vom Exterieur her einzuschätzen. Auch das Thema Anpaarungsentscheidungen mit Bezug aufs Exterieur wird zwar auf dem Buchrücken versprochen, im Buch selbst mit keinem Wort berücksichtigt. Auch wer sich mehr Informationen dazu erhofft, welche Gebäudeform welche Problematiken beim Reiten mit sich bringt, der wird hier NICHT fündig. Dazu gibt es nur extrem pauschalisierte Bemerkungen wie ein Dressur- bzw. Springpferd auszusehen hat (auf etwa 30 Seiten). Das VS-Pferd wird dann auf knapp 2 Seiten abgehandelt, hier kann man einfach keine Tiefe erwarten.
Selbst die üblichen Begriffe und Definitionen der Pferdebeurteilung -was die Basis für jede eurteilung eines Pferdes sein müsste- (wie etwa wann ist eine Schulter schräg, was ist "stramm" in der Niere) werden hier nirgendwo erklärt. Das Buch ist also keine Hilfe um Exterieurbeurteilungen besser verstehen oder gar selbst abgeben zu können.
Natürlich kann man durchaus der Auffassung sein das Exterieur wäre im Vergleich zur Leistungsbereitschaft und Gangmechanik sekundär (diese Meinung wird von manchen Fachleuten auch recht schlüssig vertreten). Aber in einem "Handbuch Pferdebeurteilung" erwarte ich genau dies nicht! Mit etwas Vorbildung im Bereich Exterieur wird dieses Buch ein eher zäher Schinken mit null Relevanz für die Pferdebeurteilung des REITpferdes aus sportlicher oder züchterischer Sicht.
Insgesamt war ich von diesem Buch ziemlich enttäuscht, weil der Autor das Buch im Prinzip nicht für Reiter oder Züchter geschrieben hat. Darüber hinaus hat er offensichtlich wenig Ahnung vom modernen SPORTpferd und dessen Beurteilung, so bedeutend sein Wissen über Urpferdeformen und deren heutiger Erscheinungsform und meinetwegen auch züchterischer Verwendung dieser Pferde auch sein mag.
Das Buch wurde offensichtlich nach dem Tod des Autors hübsch neu aufgemacht und leider mit Texten vermarktet, die dem Inhalt nicht gerecht werden. Ginge es hier lediglich um die Historie und Entwicklung des Exterieurs des Urpferdes und daraus resultierende heutige rassespezifische Unterschiede, wäre dieses Buch sicher DAS Fachwerk. (Dann hätte ich das Buch aber nicht gekauft.) Das was auf dem Buchdeckel versprochen wird, adressiert der Autor hingegen entweder gar nicht oder grob lückenhaft.