Ich habe seit 25 Jahren mit Pferden zu tun und habe auch ein eigenes. Eine Tante, die noch mit Pferden zu tun hatte, meinte es gut mit mir und schenkte mir dieses Buch zu Weihnachten. Erst wollte ich es meiner Patentochter (13 Jahre alt) schenken, doch schon während des Lesens beschloss ich, dies nicht zu tun. Es ist so vieles fachlich einfach nicht ganz in Ordnung, dass ich das pferdebegeisterte Mädel lieber nicht damit konfrontiere. Natürlich ist einiges wichtige drin und ein schöner Überblick, aber beispielsweise, dass es nur drei Satteltypen gibt, den Vielseitigkeits-, den Dressur- und den Springsattel kann man gar nicht so stehen lassen.
Was ist mit den vielen, vielen Reitweisen, die aus gutem Grund eigene Satteltypen haben? Mit den Westernreitern, den Gangpferdereitern, den iberischen, den Distanzreitern...? Davon gibt es einfach zu viele, um sie als "Ausnahmeerscheinung" außen vor zu lassen.
Bei den Rassen sind manche Rassen in viele, viele Rassegruppen gegliedert, während bei den hierzulande üblichen Warmblütern ein großer Knoten rein gekommen ist. Man beschreibt nicht etwa das Warmblut aus deutscher Zucht als eine übergeordnete Rasse und schreibt die Zuchtgebiete dazu, man beschreibt auch nicht das Warmblut aus jedem Zuchtgebiet als einzelne Rasse, sondern es gibt zwei oder drei deutsche Warmblutzuchtgebiete, deren Pferde als Rasse hingestellt werden, während andere einfach unter den Tisch fallen.
Extrem wird es in dem Kapitel rund um die Kosten. Hier wird einem, der vielleicht ein Pferd möchte, eine Kostenwelt vorgegaukelt, die nicht so ist. Ein gesundes Freizeitpferd in einem Alter, in dem man noch keine erheblichen Kosten für Alterskrankheiten hat, ist für 2.300 Euro nicht zu bekommen. Das kosten kranke Pferde bis 15 Jahre und alte Pferde. Ebenso ist der Hufschmied für 40 Euro grad mal zu einem Lächeln zu gewinnen. Mein Schmied verlangt 120 Euro für den Rundumbeschlag, der alle 8 Wochen normal fällig ist. Die Ausrüstung für 500 bis 1.000 Euro zu kaufen, geht sogar, jedoch zahlt man dann halt entsprechend an den Tierarzt und an Neukäufen, da man für diesen Preis wirklich nichts bekommt, was in irgendeiner Weise sinnvoll ist. Hier mal ein Beispiel: Eine Decke, die reißfest genug ist, dass man ein Pferd damit im Winter auf die Koppel schicken kann ohne dass seine Freunde Löcher rein reißen und man gleich eine neue kaufen muss, kostet 100 Euro aufwärts. Für einen Sattel, der dem Pferderücken nicht nachhaltig schadet, muss man mindestens 1.000 Euro hinlegen, alleine für eine sinnvoll ausgestattete Stallapotheke kann man gleich mal 200 Euro ansetzen... Bitte nicht mit solchen Kosten Interessenten blenden, deren arme Pferde dann unter dem chronischen Geldmangel ihres Besitzers zu leiden haben. Der Mensch braucht ja auch Ausrüstung. Schon mal eine Reithose gesehen, die unter 100 Euro kostet und nicht so einfach genäht ist, dass einem die Besatznaht die Haut aufscheuert?
Fazit: Für den absoluten Laien, der wissen möchte, was uns Pferdeliebhaber da befallen hat, vielleicht ein netter Überblick, aber von Menschen, die Wissen um Pferde zur Anwendung erwerben möchten, besser fernzuhalten.