Ein wunder-volles, lösungs-reiches, überraschungs-vielseitiges Handbuch haben Therese Steiner und Insoo Kim Berg vorgelegt.
In sehr klaren Sequenzen aus knapp vierzig (!) Fallbeispielen stellen die ausgewiesenen Fachfrauen auf dem Gebiet lösungsorientierter Kurzzeittherapie (LOKT) ihren reichhaltigen Schatz aus jahrelanger Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vor.
Wer aus dem Titel schließt, dass es nur um Kinder gehe, wird sich viel mehr mit einer Fülle an Jugendbeispielen konfrontiert sehen; wobei sich der Anteil an Beispielen mit Kindern und Jugendlichen durchweg die Waage hält. Für die Arbeit mit Jugendlichen, die spezifische Unterschiede berücksichtigen muss, ist sogar ein eigenes Kapitel verfasst worden.
Was in diesem Buch aber vor allem fasziniert, ist der scheinbar nicht enden wollende Reichtum an Methoden und eingesetzten Materialien.
Selbst wer noch nicht mit LOKT vertraut ist, wird durch die genauen Kommentare der Therapeutinnen sich schnell in die Lebenswelt des LOKT hineinversetzen können.
Insoo Kim Berg und Therese Steiner stellen in ihren Ausführungen nicht nur verbal orientierte Techniken vor, sondern zeigen überzeugend, wie man mit Hilfe von Handpuppen, „Schnörkelspielen", Malen, Cartoons, Luftballons, Klötzen, Hüpfspielen, u.v.m. einen guten Rapport mit den jungen Menschen aufbauen kann und zu wirkungsvollen Entwicklungen gelangt.
Das Autorinnenduo betont immer wieder, dass man als Berater/-in oder Therapeut/-in auf die Wirksamkeit von Impulsgebungen und Bildern vertrauen kann. Des weiteren plädieren sie für einen sorgfältigen Einsatz von Sprache, aber auch für eine Beziehung zu den anvertrauten Kindern und Jugendlichen, die von Neugier, Intuition und Wertschätzung geprägt ist. Allein das Lernen von LOKT als Technik würde nicht reichen, um der Vielfalt an Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten gerecht zu werden.
Die Beispiele aus der therapeutischen Praxis sowohl in den USA als auch in der Schweiz beziehen diverse, als problematisch erlebte Herausforderungen ein.
Durch die teilweise äußerst neugierig machende Darstellungsweise der Autorinnen, wird man selbst herausgefordert, wie man selbst in dem ein oder anderen Fall agiert hätte.
So kommen neben „ADHS"- Fällen, Schulverweigerung, Behinderung, Einkoten und kriminellem Verhalten auch Suizid-Androhungen vor, wo die Autorinnen ihr LOKT stark auf den Prüfstand stellen.
Imsoo Kim Berg und Therese Steiner gelingt es aber auch darin zu überzeugen, dass sie durch ihren betont lösungsorientierten Ansatz Probleme nicht verwischen, sondern zukunftsgewandte Handlungsalternativen forcieren wollen.
Das Literatur- und Stichwortverzeichnis ist sehr sorgfältig recherchiert. Der im Anhang wiedergegebene „Fragebogen für die Eltern" verdeutlicht noch einmal die Heraushebung von vorhandenen Potenzialen bei der Beratung von Kindern und Jugendlichen.
Auch wenn der Schwerpunkt eindeutig bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen liegt, vernachlässigt das Autorinnenduo nicht die Einbeziehung von engen Bezugspersonen und gibt beispielsweise Hinweise zur Unterstützung gemeinsamer Aktivitäten in Familien.
Alles in allem eine fabelhafte Entdeckungsreise in die vielgestaltige Welt der Lösungen.
Wer auch immer mit Kindern und Jugendlichen in Kindergarten, Schule oder Jugendarbeit befasst ist oder im Kontext von Beratung, Therapie und Jugendhilfe mit ihnen arbeitet, erhält mit diesem gut verständlichen, praxis- und alltagsrelevantem Handbuch einen reichhaltigen Farbmalkasten an die Hand. Die Umsetzung in facettenreiche Bilder von Hilfe und Unterstützung obliegt dann allen Seiten.