Syliva Schroll-Machl's Buch basiert durchwegs auf der Methode der Kulturstandards, d.h. kulturelle Wahrnehmungen (sg. "kritische Interaktionen") jeweils zwei Vertreter verschiedener Kulturen werden im bilateralen Vergleich analysiert. Der große Vorteil dieser von Alexander Thomas entwickelten Methode ist, dass die jeweils anderen Perspektiven sehr leicht und anschaulich anhand konkreter Interaktionen nachzuvollziehen sind. Weiters erlaubt diese Methode eine sehr präzise Analyse von bilateralen kulturell bedingten Grundmustern die weit über den Erkenntnisgrad von universellen Kulturstudien (wie z.B. Kulturdimensionen, a la Hofstede oder Globe) hinausgehen.
Gleichzeitig sind die Ergebnisse aber selbstverständlich auch 'nur' im bilateralen Vergleich gültig. Perzeptionen eines Chinesen über 'die Deutschen' sind eben nur für Chinesen gültig und vice versa. Universell gültige Aussagen über 'Werte' die einen Vergleich mit mehreren Kulturen zulassen sind per Definition nicht möglich. Weiters gibt es selbstverständlich Einschränkungen im Kontext, so werden vorwiegend berufliche Situationen analysiert. Diese scheinbare Kehrseite der Medaille ist aber gleichzeitig die wesentliche Stärke dieser Methode: Die erhobenen und in zahlreichen Feedbackschleifen 'validierten' Kulturstandards erlauben nämlich eine präzise und Kontextabhängige (z.b. Interaktionen im Beruf) Analyse, die unheimlich hilfreich für z.B. interkulturelle Trainings aller Art ist. Der Prazisbezug und die Nachvollziehbarkeit machen die einzelnen Situationen zu einer tollen Trainingsgrundlage. Da sich Kulturstandards ausschliesslich auf der Normen und Verhaltensebene bewegen, sind sie sehr anwendergerecht im Gegensatz zur Werteforschung.
Im zweiten Band beschreibt Frau Schroll-Machl, ganz gezielt Kulturstandards von Deutschen und ca. 10 anderen Nationen. Diese sind nicht nur sehr einleuchtend sondern von unschätzbaren Wert für Manager und alle die beruflich in diesen Nationen tätig sind.